Am Rande der Anti-Rassismus-Demonstration in Berlin kam es zu einem Polizeieinsatz, der für Empörung sorgt.
Foto: AP/Markus Schreiber

BerlinEin schwarzer Demonstrant wird von Polizisten niedergerungen. Ein Diensthund schnappt nach dem auf dem Boden liegenden Mann. Während sich ein Beamter auf ihn kniet, malträtiert ihn ein zweiter Polizist mit Faustschlägen. Es ist eine Szene, die nicht aus den USA stammt. Es sind Bilder einer Festnahme in Berlin, die erneut Öl ins Feuer der Polizei-Gewalt-Debatte gießt. Denn am Rande der Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt kam es am Wochenende zu einer polizeilichen Maßnahme, die nun für Empörung sorgt.

Mehr als 15.000 Menschen strömten nach Schätzungen der Polizei am Samstagnachmittag auf den Alexanderplatz. Laut Veranstalter „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen) waren es weitaus mehr. Im Anschluss an die friedliche Demonstration kam es zu der rabiaten Festnahme.  Und seitdem das Zeugenvideo bei Twitter hochgeladen wurde, diskutiert das Netz über die Frage, wie viel Gewalt es bei solchen Polizeieinsätzen geben darf.  

Auf dem 54 Sekunden langen Video ist zu sehen, wie der später Festgenommene und ein weiterer Farbiger von Beamten einer Einsatzhundertschaft zurückgedrängt werden. Als der junge Mann vor den Beamten in Vollmontur zurückweicht, schubst er mit beiden Armen einen Polizisten. Daraufhin eskaliert die Situation. Drei Beamte einer Einsatzhundertschaft nehmen den Mann fest. Dabei leistet der Demonstrant augenscheinlich Widerstand. Der Polizeihund, der kurz zuschnappt, wird vom Hundeführer sofort aus der Situation gezogen. Zwei der Polizisten schlagen den Festgenommenen, weil er versucht, sich immer wieder aufzurichten.

Was für die einen Bürger ein Skandal ist, ist für die anderen die Konsequenz von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. „nur_toni“ kommentiert auf Twitter: „Ihr seht doch wohl in dem Video, dass der Mann den Polizisten angegriffen hat. Dürfen die jetzt nicht einmal ihre Arbeit machen?“ Viele andere stellen sich auf die Seite des Demonstranten, so wie User Klaus Kaninsky. Er schreibt unter die Kommentare auf Twitter: „Wirklich schrecklich, die Polizisten sind gegen den Mann eindeutig vorgegangen, weil er schwarz ist. Sie haben sich auf keinem Fall verteidigt, weil der Kerl sie angegriffen hat...“

Im Fall besagter polizeilicher Maßnahme wird ermittelt

Bei der Polizei hat das Fachdezernat für Beamtendelikte die Ermittlungen übernommen. Die Behörde könne den Vorfall im Moment nur unzureichend kommentieren, heißt es. „Das Video zeigt nicht den kompletten Handlungsablauf. Wir haben noch weitere Videos, die die Festnahme aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen“, sagt Polizeisprecher Martin Halweg. Ob eine Körperverletzung im Amt vorliegt, sei derzeit noch unklar.

„Natürlich passt eine solche Szene genau zu dem, was man derzeit mit aller Macht zu konstruieren versucht, aber unsere Polizei ist nicht mit der US-amerikanischen zu vergleichen. Wir wissen momentan auch nicht genau, was diesen Bildern vorausgegangen ist“, sagt Benjamin Jendro, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei in Berlin.