Berliner Arzt: „Beeindruckend, wie viel Dankbarkeit ein Schönheitschirurg bekommt“

Regelmäßig berichten Berliner bei uns über ihren Berufsalltag. Dieses Mal Mark Wolter. Der 48-Jährige betreibt eine Praxis für Schönheitschirurgie in Charlottenburg.

Ich verdiene mein Geld mit der Schönheit. Als Chirurg habe ich mich dabei auf das Operative spezialisiert, konkret auf Brustvergrößerungen, Augenlidkorrekturen und Fettabsaugungen – das sind meine drei Hauptfelder. Nebenbei mache ich auch noch ein bisschen Facelifts und Bauchstraffung sowie Faltenbehandlung mit Hyaluronsäure und Botox. Den einen normalen Tagesablauf gibt es glücklicherweise bei mir nicht. Montage und Freitage sind vorwiegend Operationstage. An den übrigen Tagen mache ich Beratung und Nachuntersuchungen.

Meist beginnt mein Arbeitstag zwischen 9 und 10 Uhr und endet zwischen 18 und 20 Uhr. Oft mit einer Mittagspause, manchmal operiere ich aber auch den ganzen Tag. Mein Job ist vielleicht sogar zeitintensiver als der in einer Klinik, weil ich auch samstags Nachuntersuchungen für Operationen vom Montag mache. Aber es ist ein schönes Arbeiten, denn ich kann mir Zeit für die Patienten nehmen und habe anders als vielleicht Orthopäden 45 statt nur drei Minuten für eine Beratung. Die Zeit braucht man, damit sich Patienten aufgehoben fühlen.

Den großen Peter Pohl als Vorbild

Die Zahl der Operation schwankt. Im Schnitt sind es etwa zehn pro Woche. Brustvergrößerungen und Lidkorrekturen – dabei werden meist Tränensäcke oder Schlupflider entfernt – sind am häufigsten, mit jeweils etwa 150 pro Jahr. Entsprechend sind ein Großteil meiner Patienten Frauen, ganz selten, vielleicht ein mal im Jahr kommen auch Transsexuelle, um sich Brüste machen zu lassen. Bei den Frauen gibt es zwei Peaks: einmal zwischen Anfang und Ende 20 und dann wieder von Mitte 30 bis Mitte 40 nach den Kindern.

Meine Kundschaft ist sehr gemischt: Manche Frauen sparen sich das alles vom Munde ab, anderen ist das Geld egal. Bezahlen müssen die Patientinnen fast alle Operationen aus eigener Tasche. Die meisten Schönheitschirurgen haben keine Kassenzulassung, weil ehrlicherweise in meinem Bereich ohnehin kaum etwas abgerechnet werden kann, außer vielleicht die Korrektur extremer Schlupflider oder krankheitsbedingte Fettabsaugungen. Die Preise für eine Brustvergrößerung liegen in Deutschland zwischen 2 400 und über 10.000 Euro.

Dass ich Chirurg werde, stand für mich schon als Kind fest, und bereits als Jugendlicher, dass ich mich auf ästhetische Chirurgie spezialisieren will. Auslöser war ein Artikel über Peter Pohl, einen der großen Schönheitschirurgen der 70er- und 80er-Jahre hier in Berlin. Eigentlich ging es um seine Kunstsammlung, aber es wurde auch seine berufliche Geschichte beschrieben. Ich fand es schön, dass man Menschen schöner macht und sie damit zufriedener.

Tatsächlich ist es ist beeindruckend, wie viel Dankbarkeit man bekommt. Wenn als normaler Chirurg jemanden gesund macht, dann bekommt man vielleicht mal ein „Dankeschön“. Hier werde ich umarmt, wenn die Patienten ihre neuen Brüste sehen. Sie sprechen mich abends im Restaurant an: „Sie haben mich glücklich gemacht.“

„Lehne auch Operationen ab“

Ich versuche Patienten nicht meine ästhetischen Vorstellungen anzuoperieren. Das würde nur mit Glück zusammenpassen. Wenn Patienten kommen und mich fragen: „Was würden Sie denn machen?“, dann bekommen sie von mir einen Spiegel in die Hand und die Frage gestellt: „Was stört Sie?“.

Die meisten Patienten, vor allem Brustpatienten, haben bereits bestimmte Vorstellungen. Die Einschätzung von Ästhetik ist bei jedem anders. Manche sagen, sie wollen D, das soll stehen und man soll es sehen. Andere sagen: „Bloß nicht zu groß und man soll es nicht sehen, es soll nur voller sein.“ Deshalb frage ich die Patienten: „Was haben Sie jetzt und was wollen Sie haben?“ Auch um ihre Einschätzung des Ist-Zustandes zu hören, die manchmal falsch ist. Je nach Unterbrustumfang, aktueller Brustgröße, Abständen kann man gut festlegen, welche Implantate passen. Anschließend kläre ich über mögliche Komplikationen auf, die bei ästhetischen Eingriffen gering, aber natürlich nicht null sind, und zeige dann Vorher-Nachher-Bilder – ob das was ich verstanden habe, dem entspricht, was die Frauen sich vorstellen.

Es kommt aber auch vor, dass ich Operationen ablehne, weil ich weiß, dass ich Vorstellungen nicht umsetzen kann oder weil ich das Ergebnis nicht verantworten kann. Manche verstehen das, andere gehen zu einem anderen Arzt. Wenn die Patientinnen nachher glücklich sind und das bekommen haben, was sie wollten, in einem für mich medizinisch und ästhetisch sinnvollen Rahmen, ist das Ziel erreicht. Notiert von Robert Briest