Berlins rot-schwarze Koalition ist offenbar entschlossen, nach fast zwanzig Jahren wieder neue Schwimmbäder in der Stadt zu bauen. Nach Informationen aus Koalitionskreisen sieht das Bäderkonzept, das Sportsenator Frank Henkel (CDU) Ende Februar dem Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses vorstellen will, den Bau von zwei sogenannten 365-Tage-Bädern vor. SPD und CDU sind sich offenbar auch über einen der Standorte bereits einig: Demnach soll eines der neuen Bäder in Pankow entstehen.

In dem Stadtteil gibt es derzeit außer der Schwimmhalle Buch im äußersten Norden kein einziges Hallenbad. Die Schwimmhalle am Sommerbad Pankow ist schon lange wegen Baufälligkeit geschlossen, das Bad in der Thomas-Mann-Straße an der Grenze zu Prenzlauer Berg wird derzeit saniert und öffnet frühestens 2016 wieder. Für das zweite Bad sind Mariendorf und Charlottenburg im Gespräch.

Alte Standorte sollen bleiben

Die neuen Bäder sollen deutlich mehr Komfort bieten als die bestehenden öffentlichen Schwimmhallen. Im Innenbereich soll es mehr Becken geben, damit sich Sportschwimmer und Spaßbader nicht gegenseitig behindern. Außerdem sollen die Bäder auch einen Außenbereich bekommen. Derzeit gibt es die Kombination von Schwimmhalle und Freibad nur an vier Standorten in Berlin. Ihr Vorteil für die Bäderbetriebe: Die Betriebskosten sind niedriger, da der teure Parallelbetrieb von Hallen- und Sommerbädern entfällt.

Sofern das Abgeordnetenhaus dem Konzept zustimmt, könnten die neuen Bäder in der ersten Hälfte des kommenden Jahrzehnts eröffnen. Wie viel sie kosten, ist noch unklar und hängt von der Ausstattung ab. Eine Modellrechnung der Berliner Bäderbetriebe (BBB) ergab im vorigen Jahr Baukosten von 38 Millionen Euro. Ein einfacheres Bad ließe sich aber auch für rund 20 Millionen realisieren, sagte Bäderchef Ole Bested Hensing der Berliner Zeitung.

Geld aus Investitionsfond

Um den Bau zu finanzieren, will die Koalition auf den neuen Investitionsfonds zurückgreifen. In Kürze wird er mit 200 Millionen Euro gefüllt, der Hälfte der Haushaltsüberschüsse von 2014. Das Gesetz sehe vor, dass mit dem Geld auch Bäder finanziert werden können, sagte SPD-Fraktionschef Raed Saleh der Berliner Zeitung. Er bekräftigte, dass die Koalition keine Bäder schließen will. „Sollten wir neu bauen, dann nicht auf Kosten der bestehenden Bäder.“

Die neue Lust am Neubau hat auch mit den zwiespältigen Erfahrungen bei der Sanierung der bestehenden Bäder zu tun. So wurde am Montag der Abschluss der Bauarbeiten im Kombibad Spandau Süd gefeiert, aber so richtig freuen mochte sich niemand über den Verlauf des Projekts. „Es hat lange gedauert und viel Geld gekostet“, bemerkte Bäderchef Bested Hensing trocken in seiner Ansprache.

Eine zurückhaltende Formulierung. 11,1 Millionen Euro kostete die Ertüchtigung, mehr als vier Jahre lang war das Bad geschlossen. Auch auf den letzten Metern musste der Zeitplan revidiert werden: Anders als geplant mussten die Badegäste am Montag draußen bleiben, erst ab Sonntag können sie die Halle nutzen, es fehlen noch Abnahmeprotokolle.

Personal fehlt anderswo

Merken werden die Schwimmer von der teuren Sanierung nicht viel, der Standard ist sogar gesunken: Für eine neue Sauna fehlte das Geld. Ansonsten wurden hier und da Kacheln und Fliesen erneuert, die Umkleidekabinen aufgehübscht. Der größte Teil der Investitionssumme floss aber in die Technik, in ein neues Dach und in die Wärmedämmung. Um 516 Tonnen pro Jahr sinken die CO2 -Emissionen nach der Sanierung.

Um das Bad wieder in Betrieb nehmen zu können, mussten die Bäderbetriebe Personal von anderen Standorten abziehen. Man käme nicht umhin, dort die Öffnungszeiten einzuschränken, sagte Bested Hensing. Welche Bäder in welchem Maß betroffen sein werden, sei noch nicht klar. „Wir machen das aber so, dass es möglichst nicht auffällt“, versprach er.