Berliner Baustellen - täglich grüßt kein Bauarbeiter

Viel länger als gedacht dauerte es, bis die Trinkwasserleitung wirklich erneuert war. Geblieben sind die Parkverbotsschilder, der Bauwagen, die Rohre…

Durch Baustelle verengte Straße in Prenzlauer Berg.
Durch Baustelle verengte Straße in Prenzlauer Berg.imago

Es ist nun deutlich über ein Jahr her, da erschien an dieser Stelle ein Text über eine großflächige Baustelle, die vor der Haustür zur Erneuerung der Trinkwasserleitungen eingerichtet wurde. Als besagter Text damals in der Zeitung stand, war die ursprünglich terminierte Fertigstellung bereits um drei Monate überzogen. Wie das eben so ist.

Ein neugieriger Anruf bei den Wasserbetrieben ergab seinerzeit, dass der Mangel an verfügbaren Bauarbeitern die Fertigstellung verzögert hatte.

Erst mal eine Sache fertig machen, oder?

Dumm nur, dass zur gleichen Zeit in ausreichender Zahl Fachkräfte zur Verfügung standen, um die Parallelstraße für identische Arbeiten aufzureißen. Dabei lernen wir doch schon im Kindergarten, erst mal eine Sache fertig zu machen, ehe wir die nächste beginnen.

Irgendwann wurden die kleinen Pflaster- und die massiven Bordsteine doch wieder in den Boden gehauen. Das Parkverbot blieb seitdem bestehen, wenn es auch nie wieder größere Beachtung gefunden hat. Vielleicht hatten sie wirklich nur vergessen, die Schilder abzuhängen, die schweren schwarzen Hartgummi-Halterungen, in denen die längst abgebauten Bauzäune standen, liegen schließlich auch bis heute stapelweise in der Gegend herum und dienen den Hunden beim Heben des Hinterbeins als Baumersatz. Soll sich niemand über Mitmenschen wundern, die ihren Müll achtlos fallen lassen, wenn die Stadt selbst keinen gesteigerten Wert darauf legt, nach Ausführung ihrer Aufträge ordentlich aufräumen zu lassen.

Sind das alte oder neue Rohre?

Ein Bauwagen steht auch noch da, allerdings selten frequentiert von Leuten, denen so ein Wagen als Rückzugsort für die Frühstückspause dienen soll. Daneben liegen auf einer Länge von bestimmt zehn Metern große Rohre, vielleicht handelt es sich um diejenigen, die damals ausgebuddelt und durch neue ersetzt wurden. Womöglich sind sie aber auch neu, wenngleich „neu“ dann relativ wäre, da sie ja nun schon seit gut einem Jahr ein wenig beachtetes Dasein fristen. Wären sie also neu-wertig, könnten sie wohl für das andere Ende der Straße bestimmt sein, wo nun seit neuestem spiegelverkehrt stattfindet, was hier nie seinen Abschluss fand.

An den Haustüren im letzten Drittel der Straße informieren die Wasserbetriebe mit Aushängen über – genau! – die Erneuerung der Trinkwasserleitungen. Warum erst eine Straße komplett abarbeiten, wenn man sie zweimal beehren kann? Wegen der Verengung verwehren nun Einbahnstraßenschilder die Einfahrt. Das hinterlässt bei Autofahrern allerdings kaum mehr Eindruck als die Parkverbote. Munter fahren sie von der Hauptstraße ein, wofür sie übrigens ausreichend Platz haben, denn:

Erstaunlich lange ist hier schon kein Bauarbeiter mehr zu sehen gewesen.