Berlin - Bis 2015 will Berlin 19.000 zusätzliche Kita-Plätze schaffen, weil entgegen dem Bundestrend mehr Kinder geboren wurden und Familien in der Stadt wohnen bleiben. Doch fraglich ist, ob Berlin dem gestiegenen Bedarf gerecht werden kann: Die Betreiber von Kindergärten ringen schon jetzt um das Geld, das das Land nun für den Ausbau von Kita-Plätzen zur Verfügung stellt.

Bis Anfang September haben Kita-Betreiber bereits 15,8 Millionen Euro für nötige Baumaßnahmen beantragt, bestätigte ein Sprecher der Senatsfamilienverwaltung. Zur Verfügung stehen in diesem Jahr aber lediglich vier Millionen Euro, im nächsten Jahr dann 16 Millionen Euro. „Ich gehe davon aus, dass im nächsten Jahr noch einmal so viele Anträge hinzukommen“, sagte Martin Hoyer, Kita-Referent beim Paritätischen Wohlfahrtsverband, einem der Kita-Betreiber. Gefördert werden insbesondere Um- und Erweiterungsbauten, kleinere Kitas mit weniger als 50 Kindern erhalten aber auch eine Starthilfe von 1000 Euro pro Platz, um Räume selbstständig herzurichten.

Hauptkriterium für die Geldvergabe ist der neue Bedarfsatlas der Senatsverwaltung, der Berlin in vier Kategorien aufteilt. Ablesbar ist dort, in welchen der 135 Regionen der Stadt es einen besonderen Bedarf gibt. Vor allem viele Gegenden in den östlichen Bezirken wie Köpenick, Bohnsdorf, Karlshorst oder Mahlsdorf haben einen akuten Kitaplatz-Mangel bei steigenden Kinderzahlen (Kategorie 1). Von den 100 bereits eingereichten Anträgen kommen 31 aus solchen Stadtteilen.

Kita-Überausstattung festgestellt

Für Kritik sorgt bereits jetzt, dass der Bedarfsatlas etwa im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg überwiegend sogar eine Kita-Überausstattung festgestellt hat. „Das entspricht keineswegs den Angaben unserer Mitglieder“, sagt etwa Roland Kern vom Dachverband der Kinder- und Schülerläden (Daks), der viele Elterninitiativ-Kitas vertritt.

Monika Herrmann (Grüne), Familienstadträtin des Bezirks, betonte hingegen, dass der Bezirk gerade zuletzt bereits viele Kita-Plätze zusätzlich geschaffen habe. Erstaunlich ist allerdings, dass nur 16 der 135 Berliner Regionen eine Überausstattung an Kita-Plätzen bei gleichzeitigem Rückgang der Kinderzahlen aufweisen (Kategorie 4), so zum Beispiel Grünau oder Moabit-Ost.

Es wird eng

Aus solchen Stadtteilen liegen bereits 10, eher chancenlose Anträge auf Förderung vor. Es wird also eng, auch wenn neben dem Landesprogramm auch aus dem Kita-Bundesprogramm für Unter-Dreijährige noch einmal 27 Millionen Euro bis Ende 2014 zur Verfügung stehen.

Denn ab dem 1. August 2013 haben alle Einjährigen einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. In Westdeutschland, vom Kitaplatz-Angebot eher ein Entwicklungsland, gibt es bereits erste Klagen, weil das Versprechen nicht gehalten werden kann. In Berlin könnten die Wege zur Kita länger werden. Rechtlich darf der Weg zur mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine halbe Stunde betragen.

Um die Wahlfreiheit von Eltern zu gewährleisten, müssten an Kitas zumindest vereinzelt freie Plätze bereit gehalten werden, mahnte Roland Kern vom Daks an. Der Bedarfsatlas berücksichtigt übrigens kaum, dass viele berufstätige Eltern Kitas in der Nähe ihres Arbeitsplatzes bevorzugen.