Widerwillig bin ich hingegangen. Fast ein bisschen auf Krawall gebürstet. Weil ich sicher war, dass man mich mit Herablassung behandeln wird. Bestenfalls mit in Freundlichkeit verpacktem Spott. So wie früher im Baumarkt, als da noch nicht so viele Frauen arbeiteten. Sondern nur die Herren Fachleute, jeder Blick ein „Lassen Sie es doch gleich bleiben. Das kann ja nichts werden. Können Sie überhaupt einen Dübel von einer Schraube unterscheiden?“

So in der Art stellte ich mir die Begegnung in der PC-Werkstatt vor. Irgendein Nerd wird mich empfangen, bleich und schlecht frisiert, und mir, innerlich die Augen verdrehend, Begriffe um die Ohren hauen, von denen er weiß, dass ich sie sowieso nicht verstehe. Das wird er sehr genießen und später seinem Kollegen (höchstens einen gibt es, wenn überhaupt) erzählen, dass heute wieder mal nur ahnungslose Trullas da waren, denen man eigentlich keinen Laptop in die Hand geben dürfte.

Die Sache mit dem Käse-Fuchs

Soweit, so voraussehbar. Ich drücke die Tür auf. Der Raum ist klein und kahl, ein paar Stühle, an der Wand ein Fernseher. Es läuft eine Tier-Doku. Der Mann hinter der Ladentheke ist überhaupt kein Technikbübchen, eher der Typ Tankwart oder Bauarbeiter. Breite Schultern, Tattoo, freundlicher Blick. Ungekämmt ist er auch nicht, denn er hat keine Haare.

Als ich hereinkomme, hört er sich gerade die Klagen einer alten Dame an, die winzig wirkt vor ihm. Das Notebook, das Mucken macht, steht aufgeklappt zwischen dem großen Mann und der kleinen Frau, mit einem runzligen Finger zeigt sie auf den Bildschirm und sagt „... und dann habe ich wie immer auf Mozzarella Firefox geklickt. Es hat aber nicht funktioniert.“ In der Ecke ertönt ein Fiepen, eine weitere Kundin sitzt da, die ebenfalls mitgehört hat, sie unterdrückt mit Mühe ein Lachen. Auch ich beiße mir auf die Lippen und drehe mich ein bisschen weg. 

Wie ein gütiger Arzt

Der Computerspezialist hat sich besser im Griff. Sein Amüsement huscht kaum sichtbar nur durch seinen Blick, den er weiterhin aufmerksam der Kundin widmet. Dann wiederholt er ihren Satz als Frage (wie es einem geraten wird, wenn Kinder etwas falsch sagen), statt sie zu korrigieren: „Sie haben also auf Mozilla Firefox geklickt und es hat sich nicht geöffnet?“ „Ja“, sagt die Frau. „Ich nehme immer Mozzarella Firefox. Es gab noch nie Probleme.“ Ratlos zuckt sie mit den Schultern und sieht ihn bittend an. „Können Sie mir helfen?“ 

„Ja, bestimmt.“ Sagt der Mann, lächelt die alte Dame an und dreht das Gerät so, dass er die Tastatur vor sich hat. „Lassen Sie mich mal schauen, was da los ist.“ Er klingt wie ein gütiger Arzt. Ich denke, dass der Browser ja tatsächlich ähnlich klingt wie der italienische Weichkäse. Und dass ich meine Vorurteile genauso hätschele wie die Baumarkt-Chauvis.