Berlin„Allet Quatsch!“ – „Erzähl doch keen Quatsch!“ – „Is doch Quatsch, wat die da machen!“ – unter den vielen Begriffen, die das Berlinische prägen, hat kaum ein anderer so lange überlebt wie der Quatsch. Es scheint so, als habe es dieses Wort schon immer gegeben. Und als könnte man gar kein besseres erfinden.

Quatsch! – wie ein nasser Waschklappen klatscht das Wort mitten ins Gespräch. Platsch – so bewertet es Meinungen und Situationen. Man braucht nur mal „Corona“ und „Quatsch“ ins Internet einzugeben, dann sieht man, wofür es alles stehen kann. Quatsch ist dies und Quatsch ist das. Je nachdem, wer gerade glaubt, im Recht zu sein.

Ich frage mich: Woher stammt das Wort eigentlich? Kommt es wirklich aus Berlin? Es scheint so, denn es passt super hierher, wie viele Redewendungen zeigen. Hier einige davon: „Det is doch Quatsch mit Soße“ – „Quatsch nich, Krause – jeh nach Hause!“ – „Quatsch man da lang – hier lang is jeflastert“ – „Der Quatsch wird immer quätscher, bis er quietscht.“ Den letzteren Spruch hat meine mittlerweile 90-jährige Tante aus Lichtenberg oft genutzt, wenn sie irgendetwas als besonders blöd und unverständlich empfand.

„Es gibt ein Wort, das man nur in Berlin versteht“, schrieb der aus Berlin stammende Autor Karl Gutzkow 1854. „Es ist dies der Ausdruck: Quatsch.“ Aber die Sprachforscherin Agathe Lasch, über die meine Kollegin Maritta Tkalec jüngst zwei schöne Texte schrieb, widerlegte ihn. „Quatsch ist eine Weiterbildung von quat“, schrieb Agathe Lasch 1928 in ihrem Buch „Berlinisch“. Wenn im 16. Jahrhundert die Hochdeutschen das ihnen unverständliche Niederdeutsch – also Platt – charakterisiert hätten, dann oft mit dem Beispiel „wat, dat, quat“, weil dort überall „t“ statt „s“ gesprochen wurde. Daraus sei „quatsken“ und später „quatschen“ geworden, was bedeutete: diese seltsame, unverständliche Sprache reden.

„Aber immerhin hat man in Berlin eine besondere Vorliebe für dieses alte, allgemeinsprachliche Wort“, schrieb Agathe Lasch. Und Karl Gutzkow behauptete schon mitten im 19. Jahrhundert: Nur in Berlin fänden sich Erscheinungen, die man mit dem Wort Quatsch bezeichnen müsse.

„Man findet hier Menschen, die für witzig gelten, weil sie keinen Satz enden wie andere Menschen, jedes Ding mit einem andern Namen nennen, Begriffe verwechseln und das Ernsteste im Tone der Ironie sagen“, schrieb er. „Das Quatsche ist doch wohl in den Berliner dadurch gekommen, dass sein ursprünglich einfacher, sogar naiver und kindlicher Sinn den Anforderungen einer immer mehr anwachsenden und über seine geistige Kraft hinausgehenden Stadt nicht gleichkommt.“

Das ist starker Tobak. Hoho! Quatsch aus Überforderung in Zeiten der Verwirrung! Obwohl. „Das Quatsche“ passt auch gut in unsere Corona-Zeit, die Zeit größter Verwirrung überhaupt. Man möchte ständig sagen: Ach, Quatsch!