Wer in die Situation gerät, psychologische Hilfe zu benötigen, der sieht sich in Berlin oft einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind in der Regel mehrere Monate lang und der Gang über die Krankenkasse meist unerlässlich. Für den Notfall gibt es zwar Krisendienste, aber was tun, wenn man reden will, aber niemanden findet? In einer Großstadt ist dies sicherlich nichts Ungewöhnliches. Und nicht ungewöhnlich ist es auch, dass so ein Umstand in einer Stadt wie Berlin als eine Marktlücke entdeckt wird.

Die Kunsttherapeutin und Pädagogin Tina Steckling setzt da an, wo Menschen jemanden brauchen den Gang zu einem Kassentherapeuten oder Psychologen aber scheuen. Eigentlich tut Steckling das, was früher von anderen Institutionen wie der Kirche, einem Freundeskreis oder der Familie geleistet wurde: Die 42-jährige Steckling, gebürtig aus Wesel am Niederrhein, leiht anderen Menschen ein Ohr, hört zu und berät in alltäglichen Krisensituationen.

„Meist ist es doch so, dass man nur zu gerne bereit ist, Warnsignale zu überhören. Signale wie Schlaflosigkeit, plötzliche und grundlose Angstgefühle, vielleicht eine ständige innere Unruhe. Viele Menschen wenden sich erst dann an einen Psychologen wenn sie mit massiven Problemen konfrontiert sind, wenn es ihre psychische Verfassung unmöglich macht, ein normales Leben zu führen. Man könnte also sagen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“, so Steckling, deren Angebot unter dem Namen Soulmates, also Seelenfreunde, zielgenau auf den Großstädter zugeschnitten ist und nach ihren eigenen Worte im Grunde nichts anderes ist als ein Art „psychologischer Support“, der eine einmalige Sache sein kann oder aber auf eine längere Zeit als Unterstützung in der Krisensituation angelegt ist.

Steckling spricht mit den Menschen, versucht Situationen, die von ihren Patienten als negativ bewertet werden, anders zu deuten oder den Menschen zu ermöglichen, eine andere Perspektive einzunehmen, die ihnen einen Weg aus der Krise bieten soll.

Bezahlt werden muss aus eigener Tasche

Das alles klingt in in den Worten der Therapeutin plausibel, aber was genau unterscheidet ein Konzept wie das von Soulmates von einer klassischen psychologischen Betreuung? „Bei Therapien geht es doch in der Regel um ein schon länger anhaltendes Problem, welches man über einen ebenfalls längeren Zeitraum gemeinsam mit dem Therapeuten aufarbeiten muss. Für eine Therapie muss man sich sehr engagieren, man muss sich einlassen, man muss die Therapie beantragen und so weiter. Dies alles ist zusätzlich belastend, wenn man ohnehin schon ein Problem zu bewältigen hat. Bei mir fällt dies alles weg“, so Steckling.

Bezahlt werden muss aber natürlich aus eigener Tasche, denn die beratenden Gespräche bei Soulmates sind keine Kassenleistung, doch Steckling führt an, dass dies auch den Vorteil hat, dass die psychologische Betreuung nicht aktenkundig wird, was bei Bewerbungen, beispielsweise im öffentlichen Dienst, sehr wohl von Vorteil sein kann. „Das deutsche Gesundheitssystem ist so, dass für eine Therapie eine Diagnose erstellt werden muss. Sind Sie also selbst nicht in der Lage, ihr Problem in einem gewissen Zeitrahmen zu lösen und würden dann eine Therapie beantragen, würde man hier schon von einer sogenannten Anpassungsstörung sprechen“. Ein bezeichnender Begriff, der nichts anderes umschreibt, als die Tatsache, dass ein Mensch sich in einer Krise befindet, die ihn unter Umständen nicht mehr alltagstauglich sein lässt.

„Zu so einer Störung muss es nicht kommen, ich bin dem sozusagen vorgeschaltet und biete Hilfe und Orientierung an“, erklärt Steckling. Aber wo unterscheiden sich Stecklings Angebote zum Gespräch von Angeboten wie beispielsweise dem Berliner Krisendienst? „Das ist oft ein anonymes Telefonat. Das ist super, aber natürlich nicht so flexibel zugeschnitten wie mein Konzept. Ich treffe mich mehrmals mit den Menschen und empfehle dann aber unter Umständen auch einmal längere Therapien. Bei bestimmten hartnäckigen Zwangsstörungen beispielsweise oder eine akuten Schizophrenie, für die ich dann ohnehin an einen Psychiater verweisen.“

Opfer der Großstadt

Den Vorteil von Soulmates sieht Tina Steckling darin, dass man bei ihr in 24 Stunden ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht bekommen kann, was einen großen Unterschied zum Krisendienst darstellt. Dass ein Angebot wie Soulmates indirekt ein Nutznießer einer bestimmten Art moderner und anonymer Gesellschaft ist, weiß Tina Steckling auch. Die Menschen, die zu ihr kommen, die ihre Beratung oder einfach nur das Gespräch suchen, sind ein Stück weit auch Opfer einer anonymen Großstadt, die weniger Möglichkeiten zum Austausch bietet als eine Gesellschaft wie sie vielleicht noch vor ein paar Jahrzehnten existierte und idealerweise auch ein Auffangbecken für jene war, deren Probleme zu groß waren, als dass sie sie im Alleingang hätten bewältigen können.

„Natürlich kommen viele Menschen zu mir, denen es sonst an Möglichkeiten mangelt, mit ihren Sorgen und Probleme gehört zu werden. Man muss das realistisch sehen und auch ganz ungeschönt: Ich biete in Teilen das an, was früher andere geleistet haben“, so Steckling, die sich mit Soulmates zu Beginn des Jahres selbstständig gemacht hat und sagt, dass es offenbar Bedarf an Angeboten wie dem ihren gäbe. Sie könne nicht klagen; in Berlin herrscht offenbar Gesprächsbedarf.

Wer Soulmates in Anspruch nehmen möchte, erreicht Tina Steckling unter der Nummer 5846-4533 oder unter kontakt@soulmates.berlin