Es wird ernst in Friedrichshain und Kreuzberg. Firmen, die dort Werbung platzieren wollen, sollten sich deren Motive genau überlegen. Leicht bekleidete Mädchen etwa, die lasziv in einen Schokoriegel beißen, oder Hausfrauen, die im Suppentopf rühren, gelten im grün regierten Bezirk als sexistisch und frauenfeindlich und werden künftig nicht mehr geduldet – zumindest an 28 Standorten, die dem Bezirk gehören und wo er über Werbetafeln bestimmen kann. Am Mittwoch kommender Woche will das Bezirksparlament einen Zehn-Punkte-Katalog gegen sexistische, frauenfeindliche und diskriminierende Werbung im Straßenbild beschließen.

Verfügbar und dem Manne untertan

Seit dort voriges Jahr entschieden wurde, diese Art Werbung zu bekämpfen, hat eine 15-köpfige Arbeitsgruppe den Katalog erarbeitet. Beteiligt waren die Frauenbeauftragte des Bezirks, Bezirksverordnete und Vertreterinnen von Projekten und Organisationen wie Terre de Femmes. Eine Jury soll künftig darüber wachen, ob die Kriterien eingehalten werden. Wenn nicht, soll Werbung abgehängt werden.

„Es geht uns nicht um Nacktheit, sondern um bestimmte Rollenbilder“, sagt Susanne Hellmuth von den Grünen. Wenn etwa eine Reinigungsfirma mit einer halbnackten Frau werbe, die auf dem Boden kniet und darüber steht der Slogan „Wir machen Ihr bestes Stück feucht“, dann sei das eindeutig sexistisch. Frauen als Lustobjekt, verfügbar und dem Manne untertan, solche Botschaften will man in Friedrichshain-Kreuzberg nicht mehr sehen.

Der Bezirk will für 23 Werbetafeln rund um den Prinzessinnengarten in Kreuzberg mit der Werbefirma Ströer einen Vertrag aushandeln, in den die Kriterien einfließen sollen. Für fünf weitere Tafeln in Friedrichshain habe sich Ströer auf eine Selbstverpflichtung berufen, so Susanne Hellmuth.

Auf Selbstverpflichtung pocht auch der Deutsche Werberat. Das von der Wirtschaft finanzierte Gremium sorgt seit 1972 dafür, dass Beschwerden gegen Reklame nachgegangen wird. Die Initiative aus Kreuzberg betrachtet man kritisch. „Dort will man ein bestimmtes Rollenbild vorschreiben und andere verbieten“, sagt die Sprecherin Julia Busse. Wer meine, das Leben als Hausfrau sei diskriminierend, diskriminiere Millionen Frauen. Auch die CDU im Bezirk lehnt die Initiative ab. „Was hier passiert, ist linker Tugendterror“, sagt ihr Fraktionsvize Timur Hussein.