Vier Wochen nach der Wahl läuft auf Landesebene alles auf R2G hinaus, also eine rot-rot-grüne Koalition unter Führung der SPD. Das neue Farbspektrum wird auch in den Berliner Bezirken spürbar, dort wird es bunter. Nach Recherchen der Berliner Zeitung stehen jetzt die zwölf Bezirksbürgermeister fest.

Sozialdemokraten verlieren

Größter Verlierer sind die Sozialdemokraten, die von bisher neun Bürgermeisterposten nach Recherchen der Berliner Zeitung vier abgeben müssen, bleiben fünf. Größter Nutznießer dagegen ist die Linke, die nun in drei ihrer angestammten Ost-Bezirke den Rathauschef stellen kann. Die CDU behält ihre bisherigen zwei Bürgermeisterposten in Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf. Und die grüne Bürgermeisterin Monika Herrmann (Kreuzberg-Friedrichshain) verliert ihr Alleinstellungsmerkmal, ihr Parteikollege Stephan von Dassel steht ihr künftig zur Seite, er übernimmt in Mitte.

Doch das stand bis zuletzt auf der Kippe, zumal Grüne und SPD im Bezirksparlament gleichstark sind, der Vorsprung der Grünen beträgt lediglich 159 Stimmen. Die Sozialdemokraten versuchten bis zuletzt, ihre Machtposition zu retten. Es wurden Gerüchte gestreut, um den Grünen-Politiker zu diskreditieren, es wurden Szenarien kolportiert, wonach Politiker anderer Fraktionen zur SPD wechseln würden, so dass der bisherige Bürgermeister Christian Hanke (SPD) einen Vorteil hätte. Die Spekulationen sind jetzt vorbei. Die SPD hat entschieden, die Wahlniederlage anzuerkennen, zugleich soll von Dassel Bürgermeister werden. Dafür will die SPD das Bauressort, das auch Linke und CDU beanspruchen. Das birgt noch jede Menge Zündstoff.

Neue Allianzen

Dass die Linke in gleich drei östlichen Bezirken die Bürgermeister stellen wird – in Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg – repariert eigentlich nur eine Schieflage der vergangenen fünf Jahre. Denn in ihren Hochburgen Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg wurde die Linke 2011 schlicht von einem Bündnis SPD, Grüne, CDU ausgebremst. Angesichts von R2G funktioniert das nun nicht mehr.

Vielmehr bilden sich neue Allianzen: In Marzahn-Hellersdorf etwa haben sich die Linken mit SPD und CDU hingesetzt und ein Papier verfasst, welche Aufgaben sie gemeinsam anpacken wollen zum Beispiel die Schulsanierung und das Lösen von sozialen Problemen. Formal gibt es keinen Vertrag, aber eine Übereinkunft, Dagmar Pohle (Linke) zur Bürgermeisterin zu machen. Ähnlich soll es in Lichtenberg für Evrim Sommer (Linke) funktionieren, dort haben die Sozialdemokraten die Niederlage akzeptiert und werden keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten zur Wahl stellen.

Rot-Grün-Rot lautet das Programm in Pankow. Jeden Abend eine Sitzung zu einem politische Thema, so wollen Linke, Grüne und SPD wie in anderen Bezirken auch eine politische Arbeitsgrundlage finden. Dabei ist die Wahl des Linken-Politikers Sören Benn zum neuen Pankower Bezirksbürgermeister unstrittig. Einmalig für Berlin ist aber, dass dort künftig fünf Parteien im Bezirksamt vertreten sind. In Treptow-Köpenick wiederum arbeiten SPD und Linke zusammen, sie begraben „26 Jahre Neben- und manchmal Gegeneinander“, heißt es in ihrer Vereinbarung. Die Wiederwahl von Oliver Igel (SPD) ist sicher.

Im Westen kaum etwas Neues

In den westlichen Bezirken gibt es kaum Veränderungen: Einzig in Steglitz-Zehlendorf wurde von der CDU der Generationswechsel von Norbert Kopp zu Cerstin Richter-Kotowski langfristig angebahnt. Er wird nun vollzogen. Die anderen Bezirks-Chefs bleiben im Amt. Daran ändern auch Störmanöver wie in Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg nichts, wo die CDU jeweils den Grünen Angebote macht, um einen Keil in die bestehenden Bündnisse zu treiben. Rot-Grün steht, heißt es aber aus beiden Bezirken, Reinhard Naumann und Angelika Schöttler (beide SPD) behalten ihre Posten.

Die AfD hält sich mit Informationen zurück, welche Kandidaten sie aufstellt. Denn sie kann in sieben Bezirken je einen Stadtrat stellen. In Spandau steht der Berufsoffizier Andreas Otti fest. In Reinickendorf wird der IT-Berater Sebastian Maack kandidieren. In Marzahn-Hellersdorf vermutlich Manfred Bittner, der in den 1990er-Jahren für die CDU in Hellersdorf Wirtschaftsstadtrat war. Bittner ist Jahrgang 1949 und damit nach dem Gesetz zu alt für den Job. Spekuliert wird im Bezirk, dass der Pensionär trotzdem antritt, um gegen diese Art der Altersdiskriminierung zu klagen.