Berlin - Ein Netz aus Wasserläufen und Seen, dafür ist der Tiergarten im Herzen Berlins bekannt. Doch derzeit bietet sich Besuchern in Teilen des weitläufigen Parks ein trauriger Anblick: Es fehlt an Wasser. Um teilweise 20 bis 40 Zentimeter lägen die Pegelstände unter dem üblichen Niveau, hieß es aus der Umweltverwaltung. Ein Graben nahe dem Haus der Kulturen der Welt ist sogar komplett trocken - statt Wasser nur Laub oder mal ein kleines Rinnsal. Der See nebenan ist zu einem Tümpel mit einem breiten Saum aus trockener Erde geworden.

Doch mit der monatelangen Trockenheit hat das nichts zu tun. „Die Ursache für den niedrigen Wasserstand sind die Biber“, teilte eine Sprecherin des Bezirksamts Mitte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Tiere haben mehrere Dämme gebaut, so dass im westlichen Bereich rund um den Neuen See leicht erhöhte Wasserstände erreicht werden - niedrigere Stände östlich der Hofjägerallee sind die Folge. Einen Zusammenhang mit den geringen Niederschlagsmengen gebe es nicht, so der Bezirk. 

Die Bauten der Biber hängen aus Sicht des Berliner Wildtierexperten Derk Ehlert mit der Feinfühligkeit der Tiere für den leicht gesunkenen Wasserstand der Spree wegen des trockenen Sommers zusammen. Es sei denkbar, dass sie deshalb Flächen sichern wollten. Ein Abbau der Dämme scheint wenig aussichtsreich: Die Biber würden ihr Werk über Nacht wieder aufbauen, sagte Ehlert. Allerdings sollen Dämme, die inzwischen funktionslos geworden sind, abgeräumt werden.

„Gegen die Natur und meteorologische Extreme lässt sich kurzfristig nichts machen.“

An anderen Stellen müssten aber auch Rohre gereinigt werden, die vermutlich verstopft sind, sagt Ehlert. Bringe das nichts, könnten auch Dränagerohre durch Biberdämme gelegt werden. „Das Straßen- und Grünflächenamt ist regelmäßig vor Ort und stimmt sich mit der Senatsverwaltung ab“, teilte die Bezirkssprecherin mit.
Das Bibervorkommen im Tiergarten ist schon seit Jahren bekannt. Derzeit gehen die Behörden von zwei Biberfamilien mit Jungen aus. Es gebe aber auch immer wieder Veränderungen, hieß es.
Bei von Grundwasser gespeisten Teichen sei die Lage anders, erklärte das Bezirksamt: „Gegen die Natur und meteorologische Extreme lässt sich kurzfristig nichts machen.“ Selbst erste Regengüsse brächten keine wesentliche Besserung, so die Sprecherin. Im Vergleich zu den üblichen Niederschlägen liege das Defizit bei etwa 70 Prozent.

Sorgen um die Roten Amerikanischen Sumpfkrebse, die in Tiergarten-Gewässern leben, müssen sich Tierfreunde laut Ehlert nicht machen. Die Tiere wanderten bei Wasserknappheit an besser versorgte Stellen. „Das wird kaum Auswirkungen auf die Krebse haben.“ In diesem Sommer wurden erstmals tausende Exemplare der invasiven Art von einem Fischer gefangen und zum Verzehr verkauft.