Auf die Idee zu Mediasteak brachten Krüger ihre Freunde: „Ich habe schon immer von den tollen Sachen geschwärmt, die ich in Mediatheken finde.“ Sie solle doch mal den Link schicken, war eine häufige Reaktion. Schließlich entstand ein Blog daraus, der zugleich ihr Werkstück beim Uniabschluss war. Und der nun für den Grimme Online Award nominiert ist, der am Freitag vergeben wird. Häufig verteidigen die Filmliebhaberinnen die Mediatheken der Fernsehsender. Dass dort nur Schrott sei, wie viele aus der jungen, netzaffinen Generation glauben, das stimme einfach nicht, findet Krüger. Allerdings seien sie oft etwas unübersichtlich und auf keine bestimmte Zielgruppe festgelegt.

Das ist bei Mediasteak anders. Die meisten Nutzer sind zwischen 25 und 35 und kommen aus Berlin oder anderen Großstädten. „Und sie gehören zur digitalen Avantgarde, die Fernsehen nicht zu einer vorgegeben Uhrzeit guckt. Sondern online am Computer und anderen Geräten“, so Krüger. Fragt man die beiden Filmliebhaberinnen, ob sie denn überhaupt ein Fernsehgerät besitzen, schütteln sie die Köpfe.

„Baby und Herzensprojekt“

Rund zwei Stunden am Tag schauen sie im Netz Langfilme und klicken sich durch Clips. Oft treffen sie sich abends bei einem Glas Wein und widmen sich ihrem Hobby, dem Filmeschauen, und dem Blog, ihrem „Baby und Herzensprojekt“, wie Pohl ihn nennt. Der soll langfristig auch Geld abwerfen. Die beiden planen außerdem ein Treffen in Berlin, bei dem Filmemacher und Zuschauer über Film und Fernsehen diskutieren können.

Nach Gerichten haben Pohl und Krüger, die betonen, dass sie selbst selten Tiere essen, nicht nur den Blog betitelt. In der Sparte „Vorspeise“ gibt es Kurzfilme, unter „Blutig“ findet man Dokumentarfilme über Kriegsfotografen oder Kinder, die mitten im Bürgerkrieg in Aleppo aufwachsen. Unter „Kohl“, nach Helmut Kohl benannt, zeigen sie Politisches und zum „Nachtisch“ gibt es Sex und Drogen, zum Beispiel die Doku „Blickfang Po“.

„Und als ,Sonntagsbraten‘ posten wir unsere Lieblingsfilme“, erklärt Pohl. Ihr Favorit des vergangenen Jahres sei „Bombay Beach“ gewesen. Den Dokumentarfilm konnte man jedoch nur eine Woche lang online schauen. Dann hieß es „Video abgelaufen“. Dass das für die Nutzer frustrierend ist, wissen die beiden. Ändern können sie nicht, dass die Rundfunkanstalten viele Beiträge nur sieben Tage lang ins Netz stellen.

Stattdessen graben sie weiter in den Tiefen des Netzes. Und stoßen auf Filme wie „Berlin Techno City“. Ein Fundstück, das ins Jahr 1993 und die Soundgewitter der Technokultur führt. Dank Mediasteak dürfen sich mehr Zuschauer an Sätzen wie diesen erfreuen: „Tanzrituale, die man sonst nur aus den Beschreibungen der Ethnologen kennt“.