Berlin - Der Hochsommer bringt die Berlinerinnen und Berliner ins Schwitzen: Über 35 Grad Celsius erwartet die Hauptstadt am zweiten EM-Wochenende. Während die einen versuchen, bei den Fußballübertragungen einen kühlen Kopf zu bewahren, erfrischen sich andere draußen im Freibad, an Seen oder mit mindestens einem Eis in der Hand.

Bevor Nicole R., 36, für ein paar Tage vor dem Großstadttrubel flieht, nutzt sie mit ihrer 6-jährigen Tochter Hanna noch die Gelegenheit zur Abkühlung mitten in der Stadt. „Wir haben einen Trip ins Vogtland gebucht und wollten uns vorher noch ein bisschen kaltes Wasser in Berlin gönnen.“ Töchterchen Hanna planscht im pinken Badeanzug und mit Sonnenhut im Kaskadenbrunnen am Alexanderplatz. „Die ganze Stadt ist voll, aber hier ist es schön ruhig“, sagt Nicole. Sie freut sich, dass das Leben endlich wieder aufblüht: „Es war nicht nur für uns Erwachsene schwer, sondern vor allem für die Kinder.“

Eisfreuden und ehrenamtliches Engagement

Einige Meter weiter freuen sich die drei Freundinnen Julia, 21, Lena, 21, und Morgan, 20, über ein Eis bei der Hitze. Für die jungen Frauen die ideale Speise bei dem Wetter. „Viel anderes bekommt man bei diesen Temperaturen sowieso nicht herunter“, sagt Julia.

Weniger Abkühlung ist Greta Tuengerthal vor dem Prinzenbad in Kreuzberg vergönnt. Die 19-Jährige aus dem Prenzlauer Berg steht von 12 bis 18 Uhr für eine Hilfsorganisation auf der Straße, die Patienten mit Sehbehinderung in sogenannten Entwicklungsländern eine Augenoperation ermögliche. Greta steht gerne hier, weil sie helfen möchte. Auch wenn das ziemlich anstrengend bei der Hitze ist, wie sie sagt. Sie trinke viel Wasser und versuche, im Schatten zu bleiben. Eines hat sie bereits festgestellt: „Bei gutem Wetter sind die Menschen viel besser drauf und sehen glücklicher aus.“ Greta freut sich, endlich wieder in Bars und Restaurants sitzen zu können. „Ich finde es richtig geil, dass wieder Leben auf der Straße ist.“

American Football im Freibad, kalte Smoothies und ein Leben wie in Brasilien

Im Prinzenbad wirft sich Joshua aus Tempelhof mit Freunden im Wasser immer wieder einen Football zu. „Es ist extrem befreiend, nach einer so langen Zeit diese Erfrischung zu genießen“, sagt er. Die Buchungsoptionen hält der 26-Jährige allerdings nicht für optimal. „Was mir gar nicht gefällt, ist, dass die Zeiten fürs Freibad in Blöcke eingeteilt sind.“ Sein Zeitfenster beispielsweise dauert von 12.45 Uhr bis 15.45 Uhr. Die Tickets dafür seien begrenzt. „Man muss sich bei der Hitze schon tagelang im Voraus absprechen, wann man mit wem ins Freibad geht.“ Für Joshua eine Situation, die angepasst werden müsste. Sein ultimativer Tipp zur Erfrischung neben dem Freibad: kalte Smoothies.

Für Marco Oliveira aus Kreuzberg fühlt es sich im Prinzenbad noch „etwas komisch“ an, dass man wieder in größeren Gruppen aufeinandertrifft. „Man hat diese Gewohnheit, zu Hause zu bleiben, schon fast verinnerlicht“, sagt er. Da er und seine Freunde Marcelo, Thanny, Ari und Victor alle schon geimpft seien, mache er sich aber keine Sorgen. Bei der Hitze draußen im Wasser zu sein, ist für den 31-Jährigen das Beste, was es gibt: „Ich bin am Strand von Brasilien aufgewachsen“, sagt Oliveira. „Das hier ist das Leben, wie ich es kenne!“