Berlin - Kisch & Co. bleibt bestehen: Der umkämpfte Kreuzberger Buchladen hat einen neuen Standort gefunden, nur sieben Häuser weiter in der Oranienstraße 32. Am Montag werden die endgültigen Verträge unterschrieben mit dem neuen Vermieter - überraschenderweise die Deutsche Wohnen. Das teilte die KIGE Kiezgewerbe, eine gemeinwohlorientierte Beratungsgesellschaft, die die Buchhandlung betreut, in einer Pressemitteilung am Sonnabend mit.

Der Immobilienkonzern war offenbar mit einem Angebot auf die Inhaber des Ladens zugekommen, der am Dienstag seinen bisherigen Standort in der Oranienstraße 25 nach 23 Jahren im Kiez und langem, vergeblichem Kampf räumen muss. Zur Schlüsselübergabe an den Gerichtsvollzieher am Dienstag um 8.15 Uhr ist eine Kundgebung ab 7 Uhr bei der Polizei mit 150 Teilnehmern angemeldet.

Bereits am Tag zuvor kann Kisch & Co. vorab die neuen Räumlichkeiten beziehen, wo ein Bekleidungsladen zuvor coronabedingt von sich aus aufgegeben hatte. Die Vorverträge sind bereits unterzeichnet, der Mietvertrag mit Deutsche Wohnen gilt ab 1. September. Ein enormer Imagegewinn für den Konzern, gegen den aktuell die „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“-Initiative läuft. Der beliebte Buchladen gilt in der linken Szene als Symbol im Kampf gegen Gentrifizierung.

Im April hatte das Landgericht Berlin der Räumungsklage eines Luxemburger Immobilienfonds stattgeben. Der Mietvertrag des Ladens war im Mai 2020 ausgelaufen, seither kämpften Inhaber und Aktivisten um einen Verbleib der Buchhandlung. Zu früheren Protesten kamen bis zu 500 Menschen.