Berlin - Während der Flughafen BER weiter vor sich hin dämmert, erlebt ein anderer Knotenpunkt des Fernverkehrs in Berlin einen Boom. Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) am Funkturm, der jahrelang kaum frequentiert vor sich hin dämmerte, wird immer stärker genutzt. Nun reagiert der Senat. Der Busbahnhof soll von Grund auf erneuert und seine Kapazität erweitert werden, sagt Petra Rohland, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Rund 3,7 Millionen Euro sollen investiert werden, sofern das Abgeordnetenhaus zustimmt – deutlich mehr Geld, als bisher vorgesehen war.

Alte Rippenheizkörper sorgen in der Wartehalle für Wärme, am Boden verschraubte Sitze aus orangerotem Kunststoff für einen grellen Farbakzent. Die Stahlpavillons des Berliner Busbahnhofs sehen so aus, als ob die 60er- und 70er-Jahre noch immer nicht vorbei sind. Seit der Fernbusverkehr 1966 vom Stuttgarter Platz an den Messedamm verlagert wurde, ist die Anlage nicht von Grund auf instand gesetzt worden.

3,2 Millionen Nutzer pro Jahr

Inzwischen wird immer deutlicher, dass der ZOB am Funkturm in die Jahre gekommen ist – und das in einer Zeit, in der die Zahl der Busbetreiber, Linien und Fahrgäste immer stärker steigt. Die Liberalisierung des Fernbusverkehrs beschert den Reisenden monatlich neue Sonderangebote und Fahrmöglichkeiten. Dabei hatte der Verkehr schon vorher deutlich zugenommen: Wurde der ZOB Berlin vor 15 Jahren noch von 42 000 Bussen genutzt, waren es 2012 rund 64.000. Mehr als 3,2 Millionen Fahrgäste und Besucher wurden gezählt, teilte die BVG mit.

Die Berliner sind oft in der Minderzahl. Immer mehr internationale Fahrgäste, viele aus Osteuropa, nutzen den ZOB mit seinen vielen Anschlussmöglichkeiten zum Umsteigen, immer mehr Touristen betreten dort erstmals Berliner Boden.

14 neue Haltestellen

Lange Zeit sah es so aus, als ob der Senat die drohenden Überlastungsprobleme ignoriert. Sah die Finanzplanung anfangs nur Investitionen von 800.000 Euro vor, hat Müllers Verwaltung jetzt fast den fünffachen Betrag für den neuen Doppelhaushalt angemeldet. 2014 sollen die Bauarbeiten beginnen, sagt Petra Rohland. „Statt 35 Halteplätzen soll es künftig 49 geben.“ Ziel sei, die Kapazität um mehr als ein Drittel zu steigern. Künftig soll der ZOB jährlich von 83.000 Bussen genutzt werden können, so die Sprecherin. Dem Vernehmen nach sollen Grünflächen sowie Parkplätze in Haltestellenbereiche umgewandelt werden.

Außerdem sollen die bestehenden Anlagen verbessert werden. So wird die Zufahrt zu den Haltestellen 14 bis 16 so umgebaut, dass sie nicht mehr nur rückwärts angesteuert werden kann, teilt Rohland mit.

„Es passiert viel zu wenig viel zu spät“, kommentiert Andris Mamis, der beim Verband Paneuropäischer Reisebusbahnhöfe Vorsitzender des Beirats ist. „Der ZOB quillt schon seit längerem über.“ Im vergangenen Jahr sei noch die Rede davon gewesen, dass die Arbeiten 2013 beginnen sollten. In anderen Städten sei schon früher deutlich mehr Geld investiert worden. In Hamburg und München kämen die Reisenden in neu gebauten modernen Busbahnhöfen an. Die geplante Instandsetzung reiche nicht: „Der Senat muss mehr tun.“ Auch Berlin brauche einen neuen ZOB, sagt Mamis.