Ich mag die Abwechslung. Sie hält mich fit, dann wird mir nicht langweilig. Als ich vor fast sechs Jahren anfing, BVG-Busse zu fahren, wurde ich zwei Wochen lang nur auf der Linie 104 eingesetzt. Das war schrecklich! Die Strecke ist sehr lang, von Westend bis Stralau quer durch Berlin. Da ist es nicht leicht, die Zeiten einzuhalten. Eine Stresslinie!

Und jeden Tag traf ich dieselben Motzköpfe auf Stralau. Warum die Fahrgäste dort oft nicht angenehm sind, weiß ich nicht, aber ich finde, es ist so. In Westend fahren Besserverdienende mit, in Schöneberg ändert sich das, und in Neukölln steigen fast nur Ausländer ein. Kein Problem, aber die Stralauer ...

Lieblingslinien 186 und M 19

Ich habe zwei Lieblingslinien. Die eine ist die M 19 von Grunewald nach Kreuzberg. Die Fahrzeiten passen, und auf dem Kudamm steigen viele Touristen ein, die sind meist nett. Meine zweite Lieblingslinie ist die 186 zum S-Bahnhof Grunewald. Das ist eine schöne Endstelle, schön ruhig. Dort fahren alte Leute mit, die es schätzen, wenn ich gut fahre: zügig, aber vorausschauend. Da höre ich schon mal ein Lob.

Meine Arbeitswoche vor Weihnachten war bunt. Am Mittwoch zum Beispiel ging es um 5 Uhr auf dem Betriebshof Cicerostraße in Wilmersdorf los, Reservedienst. Als ein Bus ausfiel, habe ich den Wechselwagen gefahren. Dann hatte ein Kollege einen Unfall, und ich übernahm die Linie mit einem Ersatzwagen.

Am Freitag war ich dann von 5.40 bis 14.23 Uhr auf der X 83 zwischen Lichtenrade und Dahlem unterwegs. Auch keine einfache Linie. Einmal hatte ich neun Minuten Verspätung, dann elf. Dreimal habe ich auf meine Pause verzichtet, um die Zeit herauszuholen. Oft sind die Pausen kurz. Am Nahmitzer Damm in Marienfelde sind es laut Plan sechs Minuten, in Dahlem-Dorf vier, da reicht die Zeit nicht mal, um auf die Toilette zu gehen. Ich müsste in den U-Bahnhof hinunter, aber wenn da schon viele Fahrgäste an der Bushaltestelle warten ...

Die größte Angst

Wenn ich mich mit älteren Kollegen unterhalte, staune ich: Früher gab es 20 Minuten bezahlte Pausen, und die Fahrpläne waren so großzügig gestrickt, dass man Verspätungen wieder herausfahren konnte. Heute sind die Fahrzeiten oft kürzer. Dabei nimmt der Verkehr zu, und ich habe das Gefühl, dass es auch mehr Rücksichtslosigkeit gibt. Mich nerven vor allem die Fahrradfahrer, die ohne zu schauen plötzlich vom Gehweg auf die Fahrbahn fahren oder ohne Licht unterwegs sind. Auf Busspuren fahren sie oft im Pulk, 20 oder 30 zusammen, und in der Mitte, so dass wir hinterher zuckeln müssen. Die Fahrradlobby hat durchgesetzt, dass Radfahrer immer mehr und die anderen immer weniger Raum bekommen. Meine größte Angst ist es, dass ich einmal einen Unfall mit einem Radfahrer habe.

Natürlich gibt es auch Stress mit Pkw- und Lkw-Fahrern. Meist mit denen aus dem Umland – zum Beispiel aus HVL (Havelland) oder LOS (Oder-Spree). Bei denen kommt es öfter vor, dass sie zu wenig Abstand halten, mich schneiden, mich nicht vorlassen. Auch das kann ich nicht erklären, aber es ist wirklich so.

Rücksichtslose Menschen

Zwei Blechschäden hatte ich schon, weil mich andere Autofahrer angeblich nicht gesehen haben. Dabei sind die Fahrzeuge, die ich fahre, ziemlich groß und gelb. Ich hatte auch schon einen Unfall mit Personenschaden, glücklicherweise nicht mehr. Als mich ein Auto auf einer Busspur schnitt, musste ich eine Vollbremsung machen, und eine alte Frau stürzte. Ein Mann konnte sie auffangen. Trotzdem hat sie mir so leidgetan!

Auch einen Beinahe-Unfall habe ich schon erlebt. Kurz bevor ich an einer Haltestelle hielt, sah ich, wie eine Mutter mit ihrer Tochter stritt. Kurz darauf fiel die Tochter auf die Straße. Vor den Bus! Das war wie ein Schock. Wie rücksichtslos manche Menschen sind, sogar gegenüber ihren Kindern!

Kürzlich ist ein Kollege an der Dominicusstraße aus dem M 85er herausgezogen und verprügelt worden. Ich habe in diesem Jahr meinen ersten Übergriff erlebt. Linie 104, ebenfalls in Schöneberg, an der Kufsteiner Straße – dort hätte ich so etwas nicht erwartet. Ich wollte an der zweiten Tür meines Busses eine Rampe anlegen, damit ein Rollstuhlfahrer einsteigen konnte. Ich bat einen jungen Mann, zur Seite zu gehen, aber er hat mich nur beschimpft. Schließlich spuckte er mir ins Gesicht. So etwas Schreckliches habe ich in meinem Beruf noch nicht erlebt.

Fahrgäste halfen nicht

Schlimm fand ich auch, dass mir die anderen Fahrgäste nicht halfen. Im Gegenteil: Nachdem ich den Bus zitternd um die Ecke gefahren hatte und nicht mehr weiterkonnte, kam ein älterer Mann vom Oberdeck herunter und fragte mich: „Warum geht“s nicht weiter?“

Aber es gibt auch viele nette Fahrgäste. Am Nikolaustag legte mir eine alte Dame eine Schachtel Mon Chéri und ein Marzipanbrot auf den Zahltisch. Einfach so. Ich habe mich sehr gefreut! Noch eine Geschichte? Einmal konnte ich mit einer Bremsung einen Unfall verhindern. Als ich mit dem X 9 am Flughafen Tegel eintraf, kam eine Frau nach vorn und gab mir ihren Strauß Tulpen, mit dem sie jemand vom Flugzeug abholen wollte und sagte: „Nehmen Sie sie, ich kaufe neue!“ Das waren teure Blumen, die haben noch vier Wochen lang geduftet.