Es bleibt dabei: In diesem Jahr werden die Fahrpreise nicht erhöht. Doch absehbar ist: Gleich zu Beginn des kommenden Jahres gehen die Tarife der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der S-Bahn Berlin und der übrigen Unternehmen um rund drei Prozent nach oben. So ist es geplant, sagte Susanne Henckel, die neue Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), am Freitag. Immerhin: Die BVG, die unbedingt schon im August die Fahrpreise anheben wollte, setzte sich offenbar nicht durch.

„Wir sind dabei, die Entscheidung für unseren Aufsichtsrat vorzubereiten, der sich im Oktober mit dem Thema Fahrpreise auseinandersetzt“, sagte Henckel, die an diesem Sonnabend 104 Tage im Amt ist.
Die durchschnittliche Preissteigerungsrate soll der jüngsten Tarifanhebung vom August vergangenen Jahres entsprechen. Damals betrug sie 2,8 Prozent, aber bei einigen Ticketsorten fielen die Verteuerungen deutlich höher aus. So stieg der Preis des Einzelfahrscheins für Berlin um mehr als acht Prozent auf 2,60 Euro.

BVG erwog Berliner Alleingang

Am 9. Oktober wollen die Politiker der Länder, der Landkreise und der Städte, die im Aufsichtsrat sitzen, auch über ein anderes Thema sprechen: Sollen die Steigerungsraten bei den Tarifen künftig nach einem bestimmten Schema errechnet werden? „Es geht darum, Transparenz zu schaffen“, erklärte Henckel.

Wie die Berliner Zeitung erfuhr, hat ein VBB-Gremium, der Beirat der Verkehrsunternehmen, dazu am 22. Mai 2012 bereits einen Vorschlag verabschiedet. Danach sollte die allgemeine Preisentwicklung in der Region zu 83 Prozent in die Rechnung einfließen, der Trend bei den Strom- und Dieselpreisen würde die Anhebung zu jeweils 8,5 Prozent bestimmen. Unterm Strich ergäbe das eine Fahrpreiserhöhung von 2,5 Prozent, hat die BVG errechnet. Ein anderes Modell sieht vor, den Durchschnitt aller Tarifanhebungen in Deutschland Zugrunde zu legen. Das würde den Fahrgästen in Berlin und Brandenburg eine Verteuerung um 3,3 Prozent bescheren, hieß es.

Am 13. November 2013 einigte sich der Beirat auf eine Preiserhöhung um 2,6 Prozent im August. Doch die Brandenburger Landesregierung lehnte das ab. Sie wollte die Bürger, die dort 2014 mehrmals zur Wahl gerufen werden, nicht ärgern. Zwar kritisierten die BVG und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), dass wahltaktische Gründe ihre Finanzpläne durchkreuzen sollten. Sogar ein Berliner Alleingang wurde erwogen. Ein Plan sah vor, die Fahrpreise Anfang August nur im Berliner Stadtgebiet zu erhöhen – um durchschnittlich 3,3 Prozent. Dazu wird es nicht kommen.

„Voll, voller, noch voller“

Doch klar ist: Fahrgeldeinnahmen sind wichtig. Personal- und Materialkosten steigen, sagte Henckel. „Zudem sollen die Verkehrsunternehmen ihre Leistungen honoriert bekommen. Sie sind besser geworden.“ Neue Fahrzeuge wurden gekauft, bei Kundenbefragungen werden die Züge im Durchschnitt mit der Note 1,75 bewertet. Der Anteil pünktlicher Fahrten sei hoch, bei der S-Bahn lag er im April erstmals seit Jahren wieder über 96 Prozent.

Im vergangenen Jahr kassierten die Verkehrsunternehmen in Berlin und Brandenburg 1,2 Milliarden Euro Fahrgeld – Rekord. Das Geld werde aber auch benötigt, mahnte Henckel. Denn wie hoch die Zahlungen des Bundes für den Regionalverkehr in Zukunft ausfallen, sei ungewiss – darüber wird verhandelt. In den vergangenen Jahren stiegen diese Beträge jährlich nur um anderthalb Prozent, während die Deutsche Bahn für die Nutzung ihrer Strecken und Bahnhöfe pro Jahr bis zu fünf Prozent aufschlug.

Henckel: „Schon um das jetzige Leistungsniveau halten zu können, benötigen wir mehr Geld.“ Künftig müssten auch mehr und längere Züge eingesetzt werden, denn die Zahl der Fahrgäste im VBB steigt – vergangenes Jahr waren es 1,32 Milliarden. Für viele Züge gelte mittlerweile: „voll, voller, noch voller“.