Wer den Begriff BER hört, verbindet ihn unweigerlich mit Pannen. Seit dem Spatenstich für den neuen Berliner Großflughafen am 5. September 2006 ist jede Menge schiefgegangen. Längst kursieren Sprüche wie "Berlin kann alles, außer Flughafen" oder humorvolle Veranstaltungseinladungen auf Facebook zur Eröffnung des BER Airports - zum Beispiel am 20. Juni 2029.

Tatsächlich kann man bei der einen oder anderen BER-Panne einfach nicht anders, als zu schmunzeln. Wir geben einen Überblick über besonders kuriose Bau- und Planungspannen am BER.

1. Die Sache mit der Brandschutzanlage

Im Juni 2010 wird die Eröffnung des Flughafens, unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma, von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben. Im Mai 2012 verkünden jedoch die Regierungschefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck, dass der BER nicht wie geplant eröffnet werden kann, weil die Brandschutzanlage nicht genehmigungsfähig sei. Eine Brandschutzanlage, die - wie später herauskam - nicht zwingend von Ingenieuren entworfen werden muss.

2. Der BER als Lichtblick

Im Februar 2013 sorgte der bei Tag und Nacht hell erleuchtete BER für Aufsehen. Als Begründung, weshalb auf den 300.000 Quadratmetern ununterbrochen Licht brennen muss, wenn die Baustelle so schon sehr teuer war, lautete die Antwort erst, dass das Sicherheitspersonal und die Reinigungskräfte das Licht bräuchten. Später gab der ehemalige Baugeschäftsführer des BER, Horst Amann, einen ganz anderen Grund zu. Unter Gelächter der versammelten Kaufleute und Industriellen erklärte er: "Auch das hat damit zu tun, dass wir mit der Leittechnik nicht so weit sind, dass wir es steuern können."

3. Zu kurze Rolltreppen

Im Juli 2013 machte der BER mit seinen Rolltreppen Schlagzeilen. Wie Medien berichteten, waren einige der Rolltreppen zu kurz bestellt worden. Neue zu kaufen wäre ganz schön teuer geworden, deswegen hat man sich am Ende dazu entschlossen, vier Steinstufen an das Ende der Rolltreppe zu bauen.

4. Der korrupte Technikchef

Im Mai 2014 wurden gegen Jochen Großmann, von Mehdorn berufener Technikchef der Flughafengesellschaft, Korruptionsvorwürfe erhoben. Er soll für die Vergabe eines Auftrags 350.000 Euro verlangt haben. Im Oktober ergeht der Strafbefehl: ein Jahr zur Bewährung, zudem muss er 200.000 Euro an die Landeskasse zahlen.

5. Ein Planer, der eigentlich nur technischer Zeichner ist

Im Juni 2014 wird bekannt, dass der Planer der Entrauchungsanlage, Alfredo di Mauro, eigentlich technischer Zeichner ist. Di Mauro fand seine Kündigung damals als nicht gerechtfertigt. Auch warnte er vor Problemen, die den geplanten Eröffnungstermin im Jahr 2017 gefährden.

6. Geheime BER-Akten in Müllcontainern

Zu den kuriosesten BER-Pannen gehört mit Gewissheit der Fund von geheimen BER-Akten in der Nähe des Ostkreuzes in Berlin. In zwei Containern auf dem Gehweg vor dem Parkhaus des Victoria Centers an der Marktstraße/Schreiberhauer Straße lagen zahlreiche offizielle Pläne, Berichte und Verträge zum neuen Hauptstadtflughafen - für jeden Bürger frei zugänglich. Bis heute konnte nicht geklärt werden, was es mit diesem Fund auf sich hatte.

7. Die insolvente Baufirma

Nicht sehr überraschend, aber vielleicht gerade deshalb ganz besonders kurios: Im August 2015 gibt einer der Hauptausrüster des BER, die Gebäudetechnik Firma "Imtech", ihre Insolvenz bekannt. Am 7. August 2015 lässt derMehdorn-Nachfolger Karsten Mühlenfeld, prüfen, ob die Insolvenz von Imtech die Eröffnung weiter verzögert. Zunächst hieß es, die Bauarbeiten würden etwas länger dauern. Doch der Eröffnungstermin sei nicht gefährdet.

8. Fehlende Raumnummern

2013 wurde bekannt, dass den Räumen im Hauptstadtflughafen keine Nummern gegeben werden konnten. Der Grund: Durch die Vergrößerung des Flughafens entstanden auch mehr Räume, jedoch war das ursprüngliche System für die Bezifferung nicht dafür ausgelegt, erweitert zu werden. Lediglich die ursprünglich geplante Anzahl an Räumen konnte beziffert werden.

Was klingt wie eine Banalität, ist beim zweiten Blick jedoch ein weitaus größeres Problem. Besonders für den Brandschutz und die Gebäudetechnik. Hat ein Raum keine Nummer, könnte das im Brandfall erhebliche Nachteile mit sich bringen. Der Feuerwehr würde eine konkrete Raumangabe fehlen. Auch wird jedes Fenster in jedem Raum von der Gebäudetechnik einzeln gesteuert. Erst zwei Jahre nach der geplanten Eröffnung konnte dieses Problem behoben werden.

9. Zu schwere Ventilatoren

Nachdem Statikprobleme am Dach bekannt wurden, stoppt die Bauaufsicht am 21. September 2015 alle Arbeiten in der Haupthalle. Offenbar sind die stählernen Arbeitsbühnen unter dem Terminaldach zu schwach - nicht nur für die fünf großen, 4061 Kilo schweren Rauchgasventilatoren, sondern auch für die kleinen Ventilatoren, die 2331 Kilo wiegen. Verstärkungen sind geplant, Ventilatoren werden angegurtet, hieß es. Allerdings dürften diese Geräte vorerst nicht betrieben werden. Mittlerweile nähern sich die Kostenschätzungen der Sechs-Milliarden-Grenze.

10. Wände, die wieder abgerissen werden

Am 28. September 2015beginnt der Abriss einiger Wände im Terminal. Rund 30?Wände müssen neu gebaut werden. Sie wurden zwar als Brandschutzwände geplant, erfüllen die Bestimmungen jedoch nicht. Weitere 570 Wände werden geöffnet und verstärkt – ebenfalls aus Gründen des Brandschutzes, sagte Berlins Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup (SPD).