Die Charité.
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BerlinDie Berliner Charité hat als erstes Berliner Klinikum einen großen Teil seiner Mitarbeiter auf Covid-19 getestet und testet seit Anfang Mai auch alle stationär eingelieferten Patienten. Das teilte das Universitätsklinikum am Mittwoch mit. 

Im April seien in einer zweiwöchigen Testphase insgesamt 7500 Beschäftigte auf freiwilliger Basis getestet worden. Davon seien nur 25 Tests positiv ausgefallen – also weniger als 0,5 Prozent. Auch Antikörpertests seien bei diesen Beschäftigten durchgeführt worden. Während sogenannte PCR-Tests bei aktiven Infektionen ausschlagen sollen, suchen Antikörpertests nach Anzeichen einer bereits überstandenen Infektion im Blut. Weniger als zwei Prozent der an der Charité Getesteten wiesen demnach Antikörper auf.

Insgesamt hat die Charité rund 19.000 Mitarbeiter, in der Versorgung der Covid-Patienten in Berlin übernimmt sie als koordinierendes Krankenhaus eine tragende Rolle und versorgt die schwersten Fälle in der Stadt. Der Berliner Senat hatte die Testungen über Wochen als wichtigen ersten Schritt angekündigt, um einerseits das Ausmaß der Infektionen unter Krankenhaus-Personal einschätzen und andererseits darauf aufbauend die Teststrategie in bestimmten Berufsgruppen in Zukunft ausweiten zu können.  

Die Charité hat Mitarbeiter in der unmittelbaren Patientenversorgung, aber auch in patientenfernen Bereichen getestet: Pflegekräfte und Ärzte ebenso wie Logistiker, Reinigungskräfte, das Personal der Pressestelle oder die Vorstände. Dabei habe es in keinem Bereich alarmierende Ausschläge gegeben. „Wir konnten auch kein erhöhtes Risiko in den Bereichen feststellen, die direkt mit Covid-Patienten arbeiten“, sagte Charité-Vorstand Ulrich Frei am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.  

Wichtig sei nun, dass die Testungen mit Strategie wiederholt würden. „Wir können sehen, dass zurzeit außergewöhnlich wenige Leute positiv sind“, sagte auch Charité-Vorstand Heyo Kroemer. „Aber man muss das in vernünftigen Abständen wiederholen.“ Er kündigte eine weitere Testung im Juni an. Dann sollen alle der 7500 Mitarbeiter – sofern sie dann noch wollen – wieder zum Test geladen werden.

Bestätige das Ergebnis im Juni die niedrigen Zahlen vom April, dann „könnten wir zeigen, dass wir die Charité einigermaßen virusfrei halten können“, so Kroemer. Kostenpunkt für eine Prävalenztestung in diesem Ausmaß laut Kroemer: 700 000 Euro. Das aber sei aus Sicht der Krankenhausleitung „gut investiertes Geld“.

Ergänzend zum Screening der Mitarbeiter werden seit Anfang Mai auch alle stationär aufgenommenen Patienten an der Charité getestet. Die in Berlin inzwischen erhöhten Testkapazitäten erlaubten das. „Wir testen jetzt völlig symptomfreie Angestellte und Patienten“, so Frei. Es gelte das Prinzip: „Wenn man sucht, findet man auch.“ Die Testungen seien besonders für die medizinischen Einrichtungen wichtig, so Frei: Je früher Infektionen erkannt würden, desto mehr Zeit hätten die Krankenhäuser, um sich zu rüsten. Bisher dauere es von der „Infektion bis zur Intensivstation“ in schweren Fällen drei bis vier Wochen.  

Berlin schöpft seine Testkapazitäten seit Wochen schon nicht voll aus. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hatte Anfang vergangener Woche angekündigt, Berlin teste nun auch alle symptomfreien Kontaktpersonen, verstärkt Mitarbeiter und Bewohner in Krankenhäusern und Pflegeheimen sowie auch Kinder und Jugendliche an Schulen und Kitas. Das allerdings war zumindest voreilig.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) betonte am Mittwoch erneut, dass der Senat sich am kommenden Dienstag erst einmal von der Charité beraten lassen wolle. „Genau von dieser Erfahrung wollen wir profitieren“, so Müller. Allerdings kursiert nach Informationen der Berliner Zeitung bereits eine Senatsvorlage, die die zukünftige Teststrategie darstellt.

Kritik am Teststrategie-Tohuwabohu äußerten am Mittwoch bereits die Amtsärzte aller zwölf Bezirke in einem offenen Brief an die Gesundheitssenatorin: „Eine ungezielte Testung ohne medizinische Indikation lehnen wir ab.“ Es müsse von unterschiedlichen Fachleuten über das Testkonzept diskutiert werden, sagte der Reinickendorfer Amtsarzt Patrick Larscheid der Berliner Zeitung. „Es ist deutlich komplizierter, als die Politik es darstellt.“  

Auch Tim Zeelen, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, fordert das Einbeziehen von Experten aus unterschiedlichen Häusern, nicht zuletzt auch das Einbeziehen der Amtsärzte. Die seien Experten für die Bekämpfung des Virus in den Bezirken. Zu häufig fälle der Senat Entscheidungen aus politischen Motiven, nicht aber wegen des Infektionsschutzes. „Es ist ein Muster, dass sich hier ergibt.“

Auch Charité-Chef Heyo Kroemer warnte im Übrigen am Mittwoch: Die guten Ergebnisse in der Charité seien kein Grund „mit erhobener Nase rumzulaufen“ oder das Virus zu unterschätzen. Berlin habe eine gute Versorgung, aber schlicht auch „Glück gehabt“.