In Berlin sterben immer mehr Clubs. 
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Berlin-NeuköllnSeit Jahren ist die Griessmuehle für Clubgänger, Tanzwütige und Kultur- und Kunstbegeisterte in Neukölln nicht mehr wegzudenken. Doch dem beliebten Club könnte ein Schicksal drohen wie vielen anderen: das Aus. Denn die Griessmuehle, die in der Nähe der Sonnenallee auf einem ehemaligen Industriegelände liegt und die sich seit 2012 zunehmend etabliert hat, wird vermutlich Ende Januar schließen müssen

Der Mietvertrag läuft aus, der Pachtvertrag ist durch den Eigentümer nicht verlängert worden. Schon vor vier Jahren kaufte die SIAG Property II GmbH das Grundstück in der Sonnenallee 221, um das Gelände neu zu entwickeln. Anschließend folgten mehrere befristete Mietverträge. Anfang November 2019 wurde die Baugenehmigung für das Grundstück erteilt.

Ramona Pop (Grüne) fordert Lärmschutzprogramm

Der aktuelle Eigentümer möchte das Gelände nun zügig weiterverkaufen. Laut den Betreibern des Elektroclubs ist der neue Eigentümer bisher noch nicht bekannt. Daher habe es auch keine  Möglichkeit gegeben, einen Verbleib zu verhandeln. „Mehrere Investoren, die uns einen Weiterbetrieb für die nächsten sieben bis zehn Jahre zusichern würden, haben sich bereits im September 2019 an die S IMMO Germany GmbH (zuständiger Verwalter) gewandt, wurden bisher jedoch nicht berücksichtigt“, heißt es von Seiten der aktuellen Griessmühlen-Mietern.

Aus der Politik erfährt die Griessmuehle aktuell breite Solidarität. „Zu viele Clubs wurden geschlossen, oder sind von Schließung bedroht. Clubkultur macht Berlin einzigartig, deshalb setze ich mich auch mit einem Lärmschutzprogramm für den Erhalt ein“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Donnerstag der Berliner Zeitung. Die Griessmuehle präge die Berliner Clubszene, ihre Kunst- und Kulturangebote seien von großer Bedeutung für den Kiez. „Wir appellieren an den neuen Eigentümer, den Standort der Griessmuehle zu sichern und sind in Gesprächen mit den Akteuren hierzu“, so Pop weiter.

Auch der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sagte, dass die Griessmuehle in den letzten Jahren eine zunehmende Bereicherung für den Kiez gewesen sei. „In diesen Tagen werden viele Gespräche geführt. Es bleibt die Hoffnung, dass der Eigentümer einlenkt und die Griessmuehle erhalten bleibt“, erklärte Hikel.

Debatte ist im Abgeordnetenhaus angekommen

Inzwischen ist die Debatte um den Club sogar im Abgeordnetenhaus angekommen – durch die CDU-Fraktion, die am Donnerstag einen Antrag einbrachte und den Senat aufforderte, „kurzfristig eine geeignete landeseigene Fläche als neuen Standort für den Club Griessmuehle zu finden“.

Die Clubkommission erklärte, dass Orte wie die Griessmuehle viel mehr seien, als Orte zu Feiern. Sie fordert daher Bestandsschutz bestehender Clubs, Berücksichtigung von Clubstandorten in Bebauungsplänen bis 2030, Anerkennung der Clubs als Kulturstätten und langfristige innerstädtische Alternativen für bedrohte Standorte.