DJ Mira legt im Kater Blau auf - ganz ohne Publikum, dafür via Livestream.
Foto: AFP/John MacDougall

BerlinSeit zwei Wochen gibt es für Clubgänger und Musikfans eine Alternative zum Erlebnis vor Ort: „UnitedWeStream“ heißt die Initiative einer Reihe von Berliner Clubs, die offensichtlich gut angenommen wird. Bis zu 5000 Fans schalten sich jeden Abend ein. Mehr als drei Millionen Fans haben die Streams bislang genutzt.

„Wir bemühen uns um eine möglichst große Vielfalt“, sagte Daniel Plasch von „UnitedWeStream“ bei einer Online-Pressekoferenz. Bisher waren Aufnahmen abends ab 19 Uhr aus dem „Watergate“, der „Griessmühle“, dem „Salon zur Wilden Renate“, aus dem „Gretchen“ oder dem „KaterBlau“ zu sehen. Demnächst soll auch das „Berghain“ dazukommen.

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Die Initiative der Berliner Clubs, mit Unterstützung von arte, dem rbb, der Clubcommission und anderer Institutionen ist so erfolgreich, dass man das Konzept in andere Städte exportieren will. Clubs aus Hamburg, München, Leipzig, Wien, Manchester oder Amsterdam haben schon zugesagt oder Interesse signalisiert.

Die Premiere ist für Sonnabend geplant, dann geht’s los mit Clubs in Hamburg, Stuttgart und Wien – und schon ab 12 Uhr. „Wir gehen nicht davon aus, dass Clubs die ersten sein werden, die nach der Krise wieder aufmachen dürfen. Von daher gehen wir davon aus, dass wir noch einige Zeit mit diesem Format weitermachen werden“, sagt Daniel Plasch von UnitedWeStream.

Kulturpolitische Talkshow in Planung

Nicht nur die Streams selbst wurden gut angenommen, auch die Spendenbereitschaft der Fans ist hoch: Bislang sind mehr als 300.000 Euro über die Plattform „BetterPlace“ zusammengekommen, von denen acht Prozent an die Seenotrettungsgesellschaft abgezweigt werden. Allerdings: Wenn man die Summe auf die Zahl der Nutzer umrechnet, dann wurde pro Person nur zehn Cent gespendet.

Zusätzlich zu den Streams wird es künftig zweimal pro Woche eine kulturpolitische Talkshow geben: „UnitedWeTalk“ wird erstmals am Sonntag um 16 Uhr live bei Alex TV gestreamt und ist danach online abrufbar. Es soll auch darum gehen, wie „systemrelevante Berufe“ im Arbeitskräfte in den Bereichen Pflege und Versorgung gestärkt werden können.

Berliner Clubs brauchen weitere Hilfe

Bei der Pressekonferenz von „UnitedWeStream“ war trotz der positiven Bilanz auch viel Frustration zu hören. „Die ganze Situation ist ein riesiges Problem für die gesamte Musik- und Kulturszene“, sagte Pamela Schobe vom „Gretchen“. Ihr Club könne ohne weitere Hilfen kaum bis Ende Mai durchhalten. „Wir erwirtschaften nicht genug, um Kredite zurückzahlen zu können. Wir freuen uns über die bisher zugesagte Unterstützung, aber damit wir überleben, müssen die angebotenen Unterstützungsprogramme unbedingt nachgebessert werden.“

Auf der Pressekonferenz kam auch die Frage auf, ob zeitgleich zu den Streams nicht privat Corona-Partys veranstaltet werden könnten. „Wir haben das auf dem Schirm, kommunizieren auch in mehreren Sprachen, dass die Leute vernünftig sein sollen, wir können natürlich nur appellieren, in privaten Räumen die Regeln einzuhalten“, sagte Katharin Ahrend vom Arbeitskreis „Awareness“ der Clubcommission.