Geschlossen, wie viele andere Clubs: Der Eingang zum Kater Blau. 
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BerlinOb Gretchen, Kater Blau oder Berghain – die  Berliner Clubs sind  wegen der Corona-Pandemie seit Monaten geschlossen, die finanzielle Not der Betreiber entsprechend groß. Während die nächsten Hilfsprogramme durch den Senat noch vorbereitet werden, signalisiert die rot-rot-grüne Koalition den Clubs nun, dass er ihnen auch darüber hinaus helfen will. Sie sollen nach aktuellen Plänen als „Kulturstätten“ anerkannt und damit besser vor Verdrängung geschützt werden.  

„Für Berlin sind die Clubs wichtige Wirtschaftsbetriebe, aber sie sind zugleich Orte der Kultur und aus unserer Sicht unbedingt erhaltenswert“, sagt der SPD-Abgeordnete Frank Jahnke. Der Antrag der Fraktionen von SPD, Linken und Grünen hat zum Ziel, die Clubs in Planungs- und Genehmigungsverfahren „als Anlagen kultureller Zwecke“ zu behandeln, nicht mehr als reine Vergnügungsstätten. Schützenswert sollen danach Clubs sein, die „einen regelmäßigen Spielbetrieb und ein anerkanntes künstlerisches Profil aufweisen, das durch kuratiertes Programm, musikästhetischen Anspruch und ein raumgestalterisches Konzept gekennzeichnet ist“, heißt es in dem Antrag. Bei neuen Bauvorhaben soll Rücksicht auf die Clubs genommen werden, die Bauherren sollen im Zweifel selbst für den Lärmschutz sorgen.

Vorstoß schon lange geplant

„Wir freuen uns sehr über die Bestätigung von Clubkultur, die die Stadt Berlin so maßgeblich geprägt und bunt gemacht hat“, sagt Pamela Schobeß, erste Vorsitzende der Clubcommission Berlin. „Wir kuratieren unsere Programme genauso wie Opernhäuser oder Theater und sind daher ebenso Kulturbetriebe.“ Verdichtung, heranrückende Wohnbebauung und Immobilienspekulation seien „ein Damoklesschwert“, dass die Clubbetreiber meist nicht aus eigener Kraft abwenden könnten. Mit dem klar definierten Auftrag, Clubs zukünftig als Anlagen kultureller Zwecke in der Stadtplanung zu betrachten sowie Bauherrn selbst für den Lärmschutz in Anspruch zu nehmen, setze der Senat „ein deutliches Zeichen im Kampf gegen Verdrängung unserer Spielstätten“, so Schobeß. „Ganz besonders freuen wir uns auch über die geplante Bundesratsinitiative, bei der sich Berlin für eine Reform der Baunutzungsverordnung und für die Anerkennung von Clubs auf Bundesebene einsetzen wird.“

Geplant war der Vorstoß für die Unterstützung der Clubszene schon vor einem Jahr, sagt der Grünen-Abgeordnete Georg Kössler. Dass er jetzt, mitten in der Corona-Pandemie ins Parlament eingebracht wurde, sei als Signal an die Club-Betreiber zu verstehen. Denn Berlin brauche die Einrichtungen. In den rund 400 Clubs der Stadt seien etwa 28.000 Beschäftigte tätig.

In der Corona-Krise gibt es verschiedene Hilfsprogramme, die sich an die Clubszene richten. Im Hause von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hält man eine weitere Unterstützung für notwendig. „Die Clubszene ist bedeutend für Berlin – wirtschaftlich und kulturell für das Lebensgefühl unserer offenen Metropole“, sagt Pops Sprecherin Svenja Fritz. „Da die Clubs noch langfristig von den Auswirkungen betroffen sind, werden weitere Unterstützungsmaßnahmen momentan erörtert.“ Wie berichtet, überlegt der Senat, das im Mai aufgelegte Soforthilfeprogramm von 30 Millionen Euro für Kultureinrichtungen, zu denen auch die Clubs gezählt werden, zu verlängern. Dabei geht es um einen Zeitraum von zweimal drei Monaten und ein Gesamtvolumen von 60 Millionen Euro. Empfänger der Senatshilfe wären unter anderem außer Clubs Varieté-Theater, Einrichtungen der freien Szene, kleine Kinder- und Jugendtheater sowie private Museen. Wie wichtig jeder Betrag ist, zeigt ein Eintrag auf der Internetseite des Gretchen. Dort steht: „Es mag pathetisch klingen, aber tatsächlich hilft uns im Augenblick jeder Euro.“

Passgenaue Programme benötigt

Immerhin: Insolvenzen sind der Clubcommission bisher noch keine bekannt, wie deren Sprecher Lutz Leichsenring am Sonntag sagt. Das könne sich allerdings schlagartig ändern, fügt er hinzu, da die Sofortrettungspakete die Clubs immer nur ein bis zwei Monate absicherten. „Wir benötigen passgenaue Zuschussprogramme, die Fixkosten decken, um Orte zu erhalten und  weitermachen zu ermöglichen“, sagt Leichsenring. Die Clubcommission begrüße jedoch ausdrücklich die Initiative von Kultursenator Klaus Lederer (Linke), in Anbetracht der geschlossenen Spielstätten die Livemusik in diesem Sommer draußen stattfinden zu lassen. Damit würden viele Künstler und Veranstalter neue Aufführungsmöglichkeiten bekommen.

Um das Programm zu einem Erfolg für ganz Berlin zu machen, wünsche sich die Clubcommission die rasche Benennung von Ansprechpersonen, die – so wie in Pankow – in den Bezirken für schnelle Genehmigungen sorgen. Anwohner und Gewerbetreibende sollten zudem darüber informiert und geeignete Flächen ausgewiesen werden. Für die Nutzung der öffentlichen Flächen sollte bis Jahresende 2020 auf die Erhebung von Gebühren verzichtet werden, so wie bei Gastronomiebetrieben. Für kleinere Tanzveranstaltungen mit bis zu 199 Personen sollte es eine Erlaubnis geben, schlägt Leichsenring vor. Hierzu plane die Clubcommission mit Unterstützung der Dekra ein Schulungskonzept, um passend zur jeweiligen Location Hygieneempfehlungen abzugeben. „Nach den uns vorliegenden Erkenntnissen ist das Ansteckungsrisiko unter freiem Himmel wesentlich geringer als in geschlossenen Räumen“, sagt Leichsenring. Und damit es schnell geht, hat der Sprecher der Clubcommission noch einen besonderen Vorschlag parat: Anträge für eine Nutzung von Flächen sollten als genehmigt gelten, wenn die Entscheidung nach fünf Werktagen noch nicht ergangen ist.