Kabarettistin Idil Baydar lebt in Frankfurt und Berlin. Bekannt wurde sie ab 2014 in ihrer Rolle als „Integrationsalbtraum Jilet Ayse“. 
Foto: dpa

BerlinAuch in Berlin sollen persönliche Daten von Betroffenen im „NSU 2.0“-Drohbrief-Komplex von einem Polizeicomputer abgerufen worden sein. Das berichteten Süddeutsche Zeitung und WDR am Mittwochabend. Deswegen wird nun die Berliner Datenschutzbehörde aktiv. „Wir prüfen die Stellung eines Strafantrags“, teilte eine Behördensprecherin am Donnerstag der Berliner Zeitung auf Nachfrage mit. Als Datenschutzbehörde sei man berechtigt, Strafantrag zu stellen, wenn „wir den Verdacht haben, dass eine datenschutzrechtliche Straftat“ begangen wurde. Sei das hier der Fall, werde sich der Strafantrag gegen den mutmaßlichen, noch unbekannten Täter richten. Von dem Berliner Fall habe man erst am Tag zuvor aus den Medien erfahren, die Prüfung sei gerade eröffnet worden.

Seit 2018 schon erhalten Politiker, Journalisten, Aktivisten, Künstler, Medien und Behörden Drohungen im Namen des „NSU 2.0“. Inzwischen sind viele Betroffene bekannt – zum Beispiel die Kabarettistin Idil Baydar, die Berliner Linke-Fraktionschefin Anne Helm oder NSU-Opferanwältin Seda Basay-Yildiz. Einige von ihnen sind laut geworden, darunter Idil Baydar, haben immer wieder die Arbeit der Polizei scharf kritisiert und auf ein mögliches Netzwerk innerhalb der Behörden hingedeutet. Bestätigt wurde dieser Verdacht bereits in Hessen: Dort sollen in mindestens zwei Fällen auf Wachen in Frankfurt und Wiesbaden persönliche Daten von Betroffenen von Polizeicomputern abgerufen worden sein, die sich später in Drohschreiben des „NSU 2.0“ wiederfanden.

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