Berliner E-Commerce-Firma: Erfolgreich mit Retro-Plattenspielern und Saugrobotern

In Start-ups sind ja Wachstumssprünge nichts Ungewöhnliches, sondern die Regel. Was das Berliner Unternehmen Chal-Tec erreicht hat, ist aber dennoch außergewöhnlich. In den Tagen vor Weihnachten hat das Unternehmen einen absoluten Meilenstein in der fast zehnjährigen Firmengeschichte erreicht: Erstmals überstieg der Netto-Umsatz des  E-Commerce-Unternehmens die  Marke von einer Million Euro – an einem Tag. Der Kundenansturm und damit der Absatz blieb auch an nachfolgenden Tagen so hoch. Damit wurde das Ziel realistischer, im gesamten Jahr 2015 die Grenze von 100 Millionen Euro Umsatz zu durchbrechen – noch sitzt das Unternehmen von Gründer Peter Chaljawski an der Bilanz. Chal-Tec war schon 2014 um über 50 Prozent auf zuletzt 70 Millionen Euro Umsatz gewachsen.  Ein für junge Unternehmen durchaus typisches Wachstum – mit einem kleinen, wichtigen  Unterschied: Chal-Tec machte schon im ersten Geschäftsjahr 2006 Gewinn.  

Chal-Tec ist ein Handelsunternehmen, das eigene Marken kreiert und in den Bereichen Haushaltsgeräte, Audio und Elektronik sowie  im Sportsektor vertreten ist.  Bei der Marke Klarstein gibt es beispielsweise  den gestylten Entsafter wie den Glühweinkocher oder den Wisch- und Saugroboter. Die Marke Auna hat Elektronik im Angebot, zum Teil im Retrostil verpackt wie den  Nostalgy Buckingham Koffer-Plattenspieler in Orange. Hochwertige Lautsprecher, Subwoofer und Mikrofone liefert wiederum Malone. Unter 13 Eigenmarken vertreibt Chal-Tec seine Produkte. Die größte und bekannteste eigene Plattform electronic-star.com vertreibt aktuell über 5.000 Produkte in 18 europäischen Ländern.

Peter Chaljawski hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren vorangetrieben. Er wurde  1986 in der Ukraine geboren, noch vor dem Beginn der Schulzeit kam er nach Deutschland. Er ist in Berlin aufgewachsen und  hat hier ein Einser-Abitur hingelegt. Gleich nach dem Gymnasium gründete er die Firma, die eine sagenhafte Entwicklung genommen hat und inzwischen 300 Mitarbeiter beschäftigt. Zeit für Hobbys bleibt dem Geschäftsführer nicht viel: „Meine Leidenschaft ist  das Unternehmen.“

Die Mitarbeiter von Chal-Tec entwerfen die Produkte in Berlin, produziert wird in Asien. Das Unternehmen verfügt am Sitz in  der Wallstraße in Mitte über ein eigenes Foto- und Videostudio und einen  schalldichten Messraum für elektronische Geräte.   Bis vor Kurzem kam Peter Chaljawski ohne fremdes Kapital aus: Mitte des Jahres stieg der Finanzinvestor Ardian ein. Mit dem frischen Geld soll das internationale Geschäft vorangetrieben werden.

Der Fragebogen: Peter Chaljawski

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Ja, ich wollte immer Unternehmer werden. Ich mag es, etwas Neues aufzubauen und so voranzutreiben, dass es funktioniert.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Mit zehn Jahren war ich das erste Mal in den USA, in New York. Dort habe ich gesehen, dass es von den Lutschdragees tic-tac viel mehr Sorten und Geschmacksrichtungen als bei uns gab. Ich habe dann Schachteln für insgesamt 100 Dollar gekauft, mitgenommen und bei mir zu Hause auf dem Schulhof wieder verkauft. Ein schönes Geschäft – nur war es endlich, weil der Nachschub fehlte.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig oder zu viel?

Angestellte im medizinischen Bereich – Krankenschwestern, Pfleger und auch manche Ärzte. Sie entscheiden mit darüber, ob man gesund bleibt oder wieder wird. Wir vertrauen ihnen unser Leben an. Und für diese Verantwortung bekommen sie ziemlich wenig Geld.

Was sollte ein Unternehmer niemals tun?

Er sollte niemals aufgeben und immer optimistisch bleiben. Ich würde eher darauf eingehen, was ein Unternehmer tun muss: Er muss kreativ sein, denn die gesamte Arbeit lässt sich doch auf ein Muster zurückführen: Es gibt irgendwo ein Problem, und dafür muss eine Lösung gefunden werden. Ein Unternehmer sollte sich zudem bewusst gesund ernähren, sonst leidet irgendwann die Leistungsfähigkeit und die Performance.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Zeit ist etwas, was man sich nicht kaufen kann. Ich würde gern die Zeit haben, einmal länger an einem weitgehend unberührten Flecken der Welt zu sein, wo man für sich etwas entdeckt wie auf einem andern Planeten.

Welche ist Ihre Lieblings-App?

WhatsApp, das reicht mir.

Wo können Sie am besten entspannen?

Bei Sport, beim Schwimmen oder Laufen. Solange, bis man abschaltet.

Worüber können Sie sich richtig ärgern?

Wenn sich jemand bewusst nicht an Absprachen hält. Verlässlichkeit ist ein Grundsatz im Kaufmannsdasein. Für mich gilt ein Handschlag genauso wie eine schriftliche Vereinbarung.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Sich nicht verbiegen, ausprobieren, auf das Bauchgefühl hören. Das machen, was Spaß macht, sonst wird man mit seiner Arbeit nicht glücklich.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Das ist bei mir schwierig, sich wirklich um alle Chancen zu bringen. Wir haben vielfältige Aufgaben, und etwas Genialität steckt in jedem. Aber wer null Leidenschaft mitbringt, der hat es dann wirklich schwer.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

Ich würde das Kita-Angebot ausbauen. Es ist total unflexibel. Es gibt nicht nur im E-Commerce viele Mitarbeiter, die nicht einfach um 16 Uhr aufhören können, weil die Kita zumacht.

Baden-Württemberger können alles außer Hochdeutsch. Was können Berliner nicht?

Diplomatisch sein. Sie reden nicht um den heißen Brei herum, sie sind forsch, was zuweilen aber auch viel Zeit ersparen kann.