Berlin - Kurz vor 17 Uhr waren nur noch drei Namen übrig: Bolle, Kolja und Fritz. „So“, sagte Thomas Weber, Redakteur bei Radio Berlin 88,8 und rieb entschlossen die Hände aneinander. „Ich schlage vor, dass wir darüber abstimmen und einen Namen abwählen. Einverstanden?“ Die sieben Männer und Frauen, die vor ihm in dem kleinen Raum beim RBB in der Masurenallee saßen, nickten. Jeder griff nach einem Zettel und begann zu schreiben.

Es hatte durchaus Unterhaltungswert, was am Dienstagnachmittag im Konferenzraum von Radio Berlin 88,8 geschah: Eine siebenköpfige Jury um Tierpark-Chef Andreas Knieriem war zusammengekommen, um über den Namen für den Eisbären zu befinden, der Anfang November im Tierpark geboren wurde und seitdem ein namenloses Dasein an der Seite seiner russischstämmigen Mutter Tonja fristete.

Unten den Juroren waren neben Knieriem und Bärenkurator Florian Sicks eine Moderatorin und ein Hörer von Radio Berlin 88,8, ein Mitarbeiter von RBB Media sowie zwei Leserinnen von Berliner Zeitung und Berliner Kurier. Mehr als 10.000 Menschen hatten sich an der Namenssuche beteiligt, mehr 400 als Namen waren in den vergangenen Wochen vorgeschlagen worden.

Am Ende blieben 27 Namen

Die meistfavorisierten Namen hatten es schließlich vor die Jury gebracht – 20 von Berliner Kurier und Berliner Zeitung, 20 vom RBB. Doch siehe da: Es gab auf den Listen etliche Dopplungen. Nach deren Streichung blieben 27 Namen übrig – und über die wurde nun einzeln gesprochen und abgestimmt, zunächst allerdings ohne die Tierpark-Vertreter, die nach einer Stunde dazustießen.

Ein paar Einschränkungen gebe es, sagte zu Beginn der Beratungen Thomas Weber, der die Beratungen moderierte. Einige Namen seien gesperrt, weil schon andere Eisbären so heißen: Nanuk zum Beispiel. Das Innuit-Wort für Eisbär hatte es in allen Abstimmungen weit nach vorn gebracht, doch hier im Konferenzraum war die Reise abrupt zu Ende. Begründung: „So heißt schon ein Eisbär im Zoo Hannover.“ Auch Lars wurde gestrichen – ebenfalls vergeben.

„Bei Juri muss ich immer an Juri Gagarin denken“

Wenig Unterstützung fanden Leo und Balu, Alex  und Juri. „Bei Juri muss ich immer an Juri Gagarin denken“, sagte Kurier-Leserin Renate Lauterbach. Der war 1961 der erste Mann im Weltraum, irgendwann sei er mal durch Ost-Berlin gefahren worden, „und wir mussten an der Straße stehen und winken“. Moderatorin Sarah Zerdick wählte Atze ab, „da fallen mir Kumpels ein, mit denen man sich zum Saufen trifft“.

Und so verschwand Name um Name von der Liste. Aus 27 wurden 14, aus 14 wurden 7. Dann tauchten Knieriem und der Bärenkurator auf – mit einem winzigen Plüscheisbären, der mit auf den großen Beratungstisch kam, auf dem bereits ein großer Plüscheisbär thronte.

Tierpark-Chef Knieriem nahm den großen, weißen Bären, drückte ihm auf die langgestreckte Schnauze, grinste und sagte: „Irgendwo in Bangladesch oder China, wo der hergestellt wurde, hat man noch nie einen Eisbären gesehen.“ Dann nannte er ihn „Rattengesicht“ – und hob wenig später zu einem kleinen Vortrag über das Fortpflanzungsverhalten der Eisbären an.

Obwohl der Nachwuchs bereits im Frühjahr gezeugt werde, erklärte er, wachse er erst nach dem Sommer im Mutterleib weiter, wenn es der Eisbärin gelungen ist, sich so viele Fettreserven anzufressen, dass sie mehrere Monate ohne Nahrung überleben und ihren Nachwuchs säugen kann. „Wenn man Kinder kriegen möchte, muss man fett sein“, fasste Knieriem zusammen.

Ein klares Votum

Und dann war wieder eine Abstimmung vorbei. Der Tierparkdirektor lobte die Vorauswahl und favorisierte Fritz, und dann kam die alles entscheidende Frage. „Wer hebt die Hand für Fritz?“, und vier von sieben Armen gingen nach oben.

„Dann heißt der kleine Eisbär also Fritz“, fasste Thomas Weber das Votum zusammen, und Jurorin Heidemarie Bratz nickte zufrieden. „Das hat einen guten Bezug zu Berlin und bedeutet ,Der Frieden’“, sagte sie. „Da weiß man doch gleich, woher der Eisbär kommt.“