Corinna Balkow mit Tochter Erin vor dem Roten Rathaus.
Foto: Sabine Gudath

BerlinVor dem Roten Rathaus fällt eisiger Regen, doch sie sind trotzdem da: Vertreter zweier Kita-Eltern-Initiativen und des Landeselternausschusses Kita haben sich am Montag vor Berlins Regierungssitz zu einer Corona-gerechten Mini-Kundgebung versammelt. Anlass war der „Tag der Kinderbetreuung“, aber vieles von dem, was die Teilnehmer forderten, brennt in diesen Tagen Tausenden Eltern in Berlin unter den Nägeln: Sie fühlen sich von der Politik in der Corona-Krise schlecht versorgt.

Die neuen Regelungen für die Kita-Öffnungen kamen am vergangenen Donnerstag: Ab 14. Mai sollen Kinder, die im August eingeschult werden, und ihre Geschwisterkinder wieder in die Kita gehen dürfen. Danach sollen, absteigend im Alter, stufenweise die weiteren Jahrgänge zurückkehren dürfen – allerdings, so die Senatsverwaltung, „abhängig vom Infektionsgeschehen“. Ein Rhythmus von ein bis zwei Wochen sei denkbar, sagte eine Sprecherin von Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD). Einen genauen Zeitplan gibt es aber noch nicht.

Das lässt vielen Eltern, auch denen auf der Kundgebung, das Herz in die Hose rutschen. „Eltern brauchen eine langfristige Perspektive“, sagt Corinna Balkow, Vorsitzende des Landeselternausschusses Kita, die mit ihrer fünfjährigen Tochter Erin gekommen ist. Sie begrüßt die schrittweise Öffnung der Kitas, aber nicht die Vorgehensweise. Im Moment, so Balkow, sei die Planung eher Stückwerk, „alle zwei Wochen kommt etwas Neues.“ Sie fordert, die Bedürfnisse von Eltern bei der Planung stärker mit einzubeziehen: „Mit der Senatsschulverwaltung sind wir in regelmäßigem Kontakt, aber wir müssen hier noch mit rein“, sagte Corinna Balkow und zeigt hinter sich auf das Rote Rathaus.

Für Verwirrung und Ärger unter Eltern und auch Trägern hat auch eine Formulierung des Senatsschreibens vergangene Woche gesorgt, laut der „alle anspruchsberechtigten Kinder ein Betreuungsangebot von bis zu vier Stunden pro Tag (Halbtagsplatz)“ bekommen sollen. Anne Isakowitsch von der Elterninitiative Kitakrise sagt vor dem Roten Rathaus: „Dann profitiert ja gar keiner mehr von den Kitaöffnungen. Wenn jemand einen Acht-Stunden-Arbeitstag hat, dann bringen vier Stunden Betreuung mit Hinbringen und Abholen gar nichts.“ Dass Kitas die vier Stunden pro Tag auch sammeln können und beispielsweise Kinder eine Woche lang voll betreuen und die nächste aussetzen lassen oder tageweise kommen lassen können, ist bei vielen nicht angekommen. Roland Kern vom Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden erwartet im nächsten Schreiben der Senatsverwaltung, das noch diese Woche kommen soll, eine Präzisierung: „Das Vormittags-nachmittags-Modell ist bei all den Möglichkeiten sicherlich die ulkigste Lösung.“

Doch auch, wenn Träger sich für eine Ganztagsbetreuung entscheiden: An den Tagen, an denen ihre Kinder nicht „dran“ sind, müssen die Eltern weiter selbst für die Betreuung sorgen – was für viele bedeuten wird, dass sie ihrem Job nicht in Vollzeit nachgehen werden können. Konkrete Pläne für eine Entschädigung, die über die sechs Wochen Verdienstausfall hinausginge, auf die Eltern wegen Kinderbetreuung Anspruch haben, gibt es noch nicht.

Katharina Mahrt von der Initiative Kitakrise wiederholte deshalb am Montag ihre Forderung nach einem „Corona-Elterngeld“ von 1000 Euro, für das in einer Online-Petition knapp 50.000 Unterschriften zusammenkamen: „Damit könnten Eltern Babysitter bezahlen oder Verdienstausfälle ausgleichen.“