Bei der Auszeichnung wurde die Teilzeitregelung, die Sie mit ihrer Frau getroffen haben, besonders gelobt. Wie viele Tage arbeiten Sie?

Drei Tage.

Ist es Ihnen schwer gefallen, zu reduzieren?

Nein.

Haben Sie diesen Preis verdient?

Ob ich ihn verdient habe, haben andere schon entschieden. Es ist ja mittlerweile ein etablierter Preis. Ich finde es gut, Vorbild zu sein, anderen zu zeigen, dass man vieles unter einen Hut bringen kann.

Wie viel Zeit bleibt denn zwischen Ehrenamt und Arbeit für Kinder und Hausarbeit?

Wir haben einen Familienplan, der das Zeitmanagement über die Woche regelt. Ich bin früh für die Kinder verantwortlich. Sorge dafür, dass der Große aufsteht, sich sein Frühstück macht und in die Schule geht. Dann Frühstück und Morgenhygiene für den Kleinen, in die Kita bringen. Dreimal pro Woche beginnt dann mein Arbeitstag und geht bis 17 Uhr. An den anderen beiden Tagen habe ich Termine oder sitze am Rechner.

Machen Sie auch die Wäsche?

Ja, das mache ich in den Pausen.

Und ständig brauchen die Kinder neue Sachen..

Das ist das Steckenpferd meiner Frau. Sie ist da modebewusster.

Finden Sie, es sollte selbstverständlich sein, dass Männer sich um Hausarbeit, Brotboxen und morgendliches Zähneputzen kümmern?

Ja. Es wäre schön, wenn es noch mehr Männer machen würden. Aber in unserem Bekanntenkreis ist es schon die Regel.

Der Preis suggeriert aber, dass es eine besondere Leistung darstellt.

Der Preis zielt vor allem darauf ab, dass Väter mehr Elternzeit nehmen sollen. Dass sie sich gegen den Arbeitgeber durchsetzen.

Aber nicht alle können die Arbeit reduzieren. Und schaffen es dennoch, Kinder zu haben.

Ich weiß. Das, was ich mache, machen 10.000 andere Väter auch.

Wenn die Mütter reduzieren, kriegen sie keinen Preis. Sie werden kritisiert, dass sich in der Komfortzone Heim-Herd-Ehrenamt einrichten.

Natürlich muss man die Frage stellen, warum gibt es keinen Preis für die Mütter? Zumindest in Berlin gibt es den Berliner Frauenpreis, der für besonderes Engagement für Frauen und für die Gleichberechtigung der Geschlechter durch den Berliner Senat verliehen wird.

Ihre Frau arbeitete als...

Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin in leitender Funktion. Am Virchow-Klinikum, sie ist für die Transfunktionsmedizin zuständig.

Sie mussten gar keine Überzeugungsarbeit leisten, dass Sie reduzieren und ihre Frau voll arbeitet? Oft wollen die Frauen das gar nicht.

Wir sind beide Ossis, unsere Eltern haben uns das so vorgelebt. Sie wollte das so. Sie hatte einen Plan, was sie erreichen wollte, und das macht sie jetzt.

Das ist aber nicht immer das Selbstverständnis der Frauen.

Ja. Ich saß einmal in einer Veranstaltung zu dem Thema Schule und vor mir saß eine Reihe jüngerer Frauen. Plötzlich fiel das Wort „Berufsmutter“. Also eine, die wenig arbeitet, sich viel um die Kinder kümmert und Ehrenämter bekleidet. Da habe ich mich gefragt: Bin ich jetzt Berufsvater?

Den Begriff gibt es nicht. Die Männer werden Spitzenväter. Die Frauen Glucken oder eben „Berufsmütter“.

Ja. Es ist eine Gratwanderung. Ich finde die Kritik an dem Preis ja auch gut. Sie richtet sich ja nicht gegen die Preisträger.

Wie ist denn die Verteilung der Geschlechter in den Elternvertretungen und Gremien?

In den Kitas und Schulen ist die Frauenquote unglaublich hoch, in der Kita sitze ich als einziger Mann gegenüber 14 Frauen...

...die Väter kommen dann zur Gartenarbeit...

..genau, die Mütter werden Elternvertreterinnen, die Väter kommen zum Subbotnik. In den Bezirkselternausschüssen finden sich dann schon mehr Männer. Die Landeselterngremien sind fast paritätisch besetzt. Auf Bundesebene ist es auch sehr gemischt. Aber die Basis ist weiblich.

Was war denn der Auslöser für Sie, Elternvertreter zu werden?

Mein älterer Sohn war gerade in die Kita gekommen, als es losging, dass Kitas an freie Träger übergeben wurden. Da gab es viele Fragen zur Zukunft dieses Modells. Zum Beispiel gab es Sorgen, dass Kitas pleitegehen könnten.

Sie hatten also den Verdacht, da wird gespart.

Ich bin, wie viele Eltern, mit einem enormen Vertrauensvorschuss an die Kita-Sache herangegangen. Das ist schon erstaunlich: Man gibt sein Kind Wildfremden in die Hände, nach einer Eingewöhnungszeit von wenigen Wochen.. Aber ich hatte eben viele Fragen. Die konnte mir jedoch keiner beantworten. Stattdessen wurde ich gefragt, ob ich diese Fragen nicht nach außen tragen will. So wurde ich Vertreter der Gruppe, saß folglich im Eltern-Ausschuss der Kita und dann auch im Beirat des Trägers. Und so fing das an.