Berlin/Potsdam - Die monatelange Zwangspause ist vorbei. Endlich dürfen in Modeläden und Elektromärkten die Rollläden wieder hochgezogen werden. Allerdings kommen die Kunden nur mit vorheriger Terminvergabe in die Geschäfte. So wird es ab Dienstag auch in Berlin sein, doch die Berliner konnten schon am 8. März erfahren, wie das neue Shoppen nach dem Prinzip Click and Meet funktioniert. Viele von ihnen zog es am Montag ins nahe Land Brandenburg, wo der Frauentag ein normaler Arbeitstag ist und viele Geschäfte dank der aktuellen Lockdown-Vorschriften erstmals wieder öffnen durften.

Es war ein ungewohntes Bild, dass sich den Besuchern des Potsdamer Einkaufszentrums Stern-Center schon am Montagvormittag bot. Erstmals waren die Parkplätze wieder voller. Auffällig viele Autos mit Berliner Kennzeichen standen dort. Auch aus Potsdam-Mittelmark oder aus Oberhavel war Kundschaft angereist.

Foto:  Koch-Klaucke
Zum Shoppen am Feiertag ging es für so manchen Berliner zum Einkaufen nach Potsdam.

Auch ins Innere des Einkaufszentrums ist das Shopping-Leben zurückgekehrt. Wochenlang kamen die Besucher nur dort hin, um in dem Selbstbedienungswarenhaus Real größtenteils Lebensmittel zu kaufen. „Jetzt herrscht hier eine ganz andere Atmosphäre“, sagt Janine Mecker. „Endlich kann ich wieder von einem Laden zum nächsten ziehen,  Schuh- und Modegeschäfte haben wieder geöffnet.“ Einziger Nachteil: Kunden kommen nur in die Geschäfte, wenn sie vorab einen Termin vereinbart haben.

Etwa in den Spielzeugladen des Zentrums, wo am Eingang Verkäuferinnen Kunden kontrollieren, ob sie angemeldet sind. „Die Termine können auf unserer Internetseite oder telefonisch abgemacht werden“, sagt eine Mitarbeiterin. Mit Glück kommt man auch spontan ins Geschäft. Kunden können eine Telefonnummer anrufen, die auf einem Zettel am Schaufenster steht. Dort ist ein QR-Code abgebildet, den man nur mit dem Smartphone einzuscannen braucht, was eine schnelle Terminvergabe ermöglicht.

Kontrollen an den Ladeneingängen

Manchmal reicht es auch, sich schnell am Eingang bei den Verkäuferinnen anzumelden. „Das Geschäft ist ja nicht so voll, dann kann ein Kunde schnell hinein, wenn wir die Kontaktdaten notiert haben“, so die Mitarbeiterin. Etwa auf eine halbe Stunde ist das Einkaufszeitfenster für die Kunden in diesem Laden bemessen. Nicht nur Potsdamer zählten zu den ersten Kunden in dem Spielzeugladen, auch Berliner kamen, so die Verkäuferin.

Sich einen neuen Fernseher anschauen, Batterien, Kabel oder eine aktuelle CD kaufen: Das ist in den Einkaufszentren ebenfalls wieder möglich. Im Stern-Center Potsdam hat auch der Media-Markt wieder offen, der wie viele Geschäfte kurz vor Weihnachten im Corona-Lockdown schließen musste. Einige Kunden stehen vor dem Eingang, warten auf Einlass. Denn auch dort kommt man nur mit einem telefonischen oder im Internet vereinbarten Termin hinein - eigentlich.

Doch das Unternehmen sieht es locker. „Man kann sich bei uns auch spontan vor Ort anmelden“, sagt der Mitarbeiter eines Wachdienstes, der für den Markt den Einlass der Kunden kontrolliert und deren Kontaktdaten registriert, bevor sie den Markt betreten. „80 Kunden können maximal gleichzeitig hinein“, sagt er. Eine elektronische Anzeigetafel gibt Auskunft, wie viele Kunden sich gerade drinnen befinden. Deren Anzahl ist aber am Montag gegen 12 Uhr noch überschaubar. „Wir haben mit einem Ansturm gerechnet, vor allem von Berlinern, die ja frei haben. Doch seit 10 Uhr, als der Markt öffnete, waren nur drei Kunden aus der Hauptstadt da.“

Anders lief es in den Baumärkten in Potsdam ab. In einer Toom-Filiale im Stadtteil Babelsberg waren schnell alle Parkplätze besetzt, auch mit Autos von Berlinern. Denn in der Hauptstadt bleiben laut der Infektionsverordnung des Landes Berlin anders als in Brandenburg die Baumärkte weiterhin geschlossen. „Daher nutze ich meinen Feiertagsausflug nach Potsdam, um ein paar Bretter zum Ausbessern unserer Gartenlaube zu besorgen“, sagt Gerd Rabonski, der aus dem angrenzenden Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf angereist ist.

Unweit von Toom ist auch im Hellweg-Baumarkt der Andrang groß. Bis zu 200 Kunden dürfen in den Markt, die nicht nur wegen Frühjahrspflanzen für ihre Gärten oder Balkone zum Einkaufen gekommen sind. So mancher lädt Werkzeug, Farbeimer oder Kabelschläuche in seinen Wagen. Anders als in den anderen Geschäften, die nun öffnen, ist laut Brandenburger Verordnung das Shoppen in den Baumärkten ohne Terminvergabe erlaubt.