Als Patrick Möller kürzlich ins Theater ging, gab er sein Fahrrad an der Garderobe ab. Während er das erzählt tätschelt er den Sattel des Gefährts und blickt zum Stand gegenüber, wo Räder mit dicken Reifen und Sprungfedern angeboten werden, die sofort an Matsch, Schweiß und Adrenalin denken lassen. Möllers Rad ist viel kleiner, nur etwa 60 mal 60 Zentimeter groß – zumindest in zusammengeklapptem Zustand.

Der 39-Jährige fährt ein Faltrad und liegt damit im Trend auf der Berliner Fahrradschau, die am Wochenende in der Station am Gleisdreieck stattfindet. „Ich gehe damit einkaufen, ich fliege damit in den Urlaub“, sagt Möller. „Und in der S-Bahn brauche ich kein Fahrradticket lösen, weil mein Bike als Gepäckstück gilt.“

Am Stand um die Ecke – einer von über 350 Ausstellern – nickt Karl-Heinz Lunck einem Verkäufer zu. Der Rentner ist mit seiner Frau aus Spandau gekommen, sie sind begeisterte E-Bike-Fahrer und schauen sich die neuen Modelle an. „Elektro-Fahrräder sehen heute viel eleganter aus als früher“, sagt Barbara Luck. Tatsächlich lässt sich diese Tendenz bei den mit Motor betriebenen Zweirädern ausmachen: Viele muten elegant an, haben dünne, weich geschwungene Rahmen, Lenker mit Ledergriffen oder Flechtkörbchen, die an Hollandräder erinnern.

Auf der anderen Seite steht jedoch auch eine entgegengesetzte Entwicklung: die immer aufgemotzteren E-Bikes. Die Messe zeigt fette Cruiser, die gern Motorräder wären sowie Speed-Pedelecs, die 45 Stundenkilometer fahren und ein Nummernschild brauchen. Für normale E-Bikes sind nur 25 Km/h erlaubt.

Allen, die lieber ohne elektrische Hilfe in die Pedale treten, bieten die Hersteller in diesem Jahr vor allem puristische Modelle an. Die Rennräder der kommenden Saison bestehen nicht selten ausschließlich aus dünnen Reifen und Rahmen, manchmal entwächst daraus der Lenker ohne eine einzige Schweißnaht. Es sind kantige Räder, schnörkel- und detailllos.

Material der Stunde ist bei den Zweirädern im Freizeitbereich Holz. Durch die Messegänge kurven Testpiloten auf Rädern aus Eschenholz oder Bambusrohren. „Weil Bambus hohl ist, eignet er sich gut zum Fahrradbauen“, sagt ein Verkäufer am Stand. „Dadurch dämpft er und schluckt die Vibrationen.“

Für Alexander Kleinkamp und Arne Bücher wäre das allerdings nichts. Sie sind auf der Suche nach etwas Größerem, etwas viel Größerem. „Wir wollen nach dem Abitur im Sommer einen Monat mit Lastenfahrrädern durch Europa fahren“, sagt einer der 18-jährigen Reinickendorfer. Ihre Auswahl ist groß, Lastenräder boomen.

Bei wachsendem Umweltbewusstsein dienen sie immer mehr Berlinern als klimaneutrales Ersatz-Auto. Es gibt Modelle mit Kindersitzen, einklappbarer Transportfläche oder schwenkbarer Achse, um die Kurven noch geschmeidiger zu nehmen. „Zum befördern von Zelt, Schlacksäcken, Campingkochern und Co. reicht uns aber ein normales Lastenrad“, sagt Bücher. „Die Hauptsache ist ja, es fährt gut.“