Berlin - Mal eben in zweiter Reihe parken, weil man etwas zu erledigen hat – selbst wenn dabei auch der Radweg und die Busspur blockiert werden: Dieses rücksichtslose Verhalten unzähliger Autofahrer ist in Berlin an der Tagesordnung. Eine Woche lang geht die Polizei nun in einer Schwerpunktaktion dagegen vor.

„Im vergangenen Jahr wurden 37.487 Halt- und Parkverstöße auf Radschutzstreifen und Radwegen, 33.122 Verstöße auf Busspuren und 58.118 Verstöße in zweiter Reihe zur Anzeige gebracht“, so ein Polizeisprecher. Bei einer fünftägigen Verkehrssicherheitsaktion in diesem Frühjahr habe man zudem 4093 Halt- und Parkverstöße festgestellt und geahndet.

Seit Montag kontrollieren Polizei, Ordnungsamt und BVG verstärkt gegen rücksichtslose Fahrer

Auch die erheblichen Behinderungen des BVG-Linienverkehrs und die Verzögerung in den Fahrplänen würden von Zweite-Reihe-Parkern immer wieder billigend in Kauf genommen. Sie machten sich die gefährlichen Folgen insbesondere für Radfahrende nicht bewusst, die „regelmäßig zu Ausweichmanövern in den schnellen Fließverkehr gezwungen werden“, so der Sprecher weiter. Solche Kraftfahrer würden ihr Fehlverhalten „häufig als Kavaliersdelikt“ sehen. 

Daher werden seit Montag im gesamten Stadtgebiet gemeinsam mit Kräften der Ordnungsämter und der BVG Schwerpunktkontrollen durchgeführt. Man wolle Betroffene während der Aktion für die Folgen ihres rücksichtslosen Verhaltens in Gesprächen sensibilisieren, so die Polizei. Und – falls nötig – auch zur Kasse bitten. So wie am Montag an der Schlüterstraße Ecke Kudamm. Ab 10.30 Uhr standen hier rund zehn Polizeibeamte, ertappten innerhalb weniger Stunden eine zweistellige Zahl von Zweite-Reihe-Parkern.

Weiterfahren oder zahlen

So wie einen aus Serbien stammenden Autofahrer, der die Aufregung um sein mitten auf dem Radweg abgestelltes Auto partout nicht verstehen wollte. Zudem habe er nach eigenen Angaben keine andere Möglichkeit gehabt: Er habe „extrem dringend pinkeln“ müssen und keinen Parkplatz gefunden. Kosten für die Puller-Pause: 35 Euro.
Die Erklärung eines Getränkelieferanten klang hingegen nachvollziehbar. Er müsse ein Restaurant beliefern, eine Lkw-Ladezone oder Haltebuchten habe er in der Nähe nicht gefunden.

Dennoch zeigten sich die Polizisten streng: Weiterfahren oder zahlen. Weil der Lieferant es nach eigener Aussage nicht einsehen würde, aus „eigener Tasche eine Strafe für die Firma“ zu zahlen, rückte er kurzerhand wieder ab. Seine Getränke nahm er mit.

Falschparken: Gebühren in Höhe von bis zu 369 Euro drohen

Nur bei einem Zusteller der DHL drückten die Einsatzkräfte in der Schlüterstraße ein Auge zu, da „er seine Pakete nun mal ausliefern muss“, wie es hieß. Zudem hatte der berufsbedingte Verkehrssünder zwar in zweiter Reihe, aber immerhin nicht auf dem Radweg geparkt.
Der wurde von einem Radler trotz freier Bahn nicht genutzt: Der Mann fuhr unbeirrt über den Gehweg, bis auch er von der Polizei ermahnt wurde. Die Beamten beließen es bei einer strengen Belehrung.

Überhaupt kamen alle erwischten Verkehrssünder vergleichsweise glimpflich davon. Denn neben Verwarnungsgeldern von bis zu 35 Euro werden die Autos „konsequent umgesetzt, sofern kurzfristig kein Verantwortlicher erscheint“, so die Polizei. Dann drohen je nach Fahrzeugart zusätzliche Gebühren in Höhe von bis zu 369 Euro.