Der Berliner Fernzugbetreiber Locomore hat Insolvenz angemeldet. Das teilte das Amtsgericht Charlottenburg am Donnerstag mit (Aktenzeichen 36I IN 2564/17). Der Antrag kam von der Railway Management GmbH in Berlin-Kreuzberg, die als persönlich haftende Gesellschafterin des Verkehrsunternehmens auftritt. Katrin Seiler, eine der Geschäftsführerinen bestätigte dies gegenüber der Berliner Zeitung.

Der Antrag musste „traurigen Herzens“ gestellt werden, teilte das 2007 gegründete Unternehmen in Berlin-Kreuzberg in einer Erklärung am Abend mit. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt Rolf Rattunde bestellt.

Intensiv auf der Suche nach Investoren

„Leider konnten wir aktuell nicht alle Verbindlichkeiten bedienen“, so Locomore in der Erklärung. Die Zahl der Fahrgäste und die Einnahmen pro Fahrgast seien zwar kontinuierlich gestiegen, aber nicht schnell genug, um die Kosten zu decken. Die Reserven seien aufgebraucht, am Mittwoch habe dann auch noch ein potenzieller Investor, dessen Engagement die Zahlungsfähigkeit abgewendet hätte, abgesagt. Nun werde weiter nach Investoren gesucht, hieß es weiter.

“Wir vom Team von Locomore glauben weiterhin daran, dass Locomore eine Bereicherung für den Fernverkehrsmarkt darstellen würde. Wir hoffen, dass es uns gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter gelingt, Perspektiven zur Fortführung des Locomore-Zugverkehrs zu entwickeln. Hierfür sind wir gemeinsam derzeit auch intensiv auf der Suche nach Investoren. Erste Gespräche finden derzeit bereits statt.“

Wenn Locomore pleite geht, ist das Geld weg. Oder?

Unklar ist auch, was mit dem Geld passiert, das  mit Hilfe von Crowdfunding von vielen privaten Unterstützern eingesammelt wurde. Über Darlehen und andere Zahlungen kamen bis März fast 928.000 Euro in die Kasse. Schon zu Beginn der Crowdfunding-Kampagne stand im Locomore-Prospekt eine Warnung an potenzielle Investoren: Es gebe Risiken. Wenn Locomore pleite geht, sei das Geld weg. "Damit rechnen wir aber nicht", sagte Locomore-Geschäftsführer Derek Ladewig 2015. "Wir glauben an unser Projekt."

Noch Mitte April 2017 hatte Ladewig mitgeteilt, dass bis dahin schon rund 70.000 Reisende mit Locomore gereist seien. An einigen Tagen stiegen pro Richtung bereits tausend Fahrgäste in den Zug ein. "Wir hoffen, dass wir in den kommenden drei Monaten die schwarze Null erreichen", so der Locomore-Chef seinerzeit. Aber das sei gar nicht so einfach. Denn die Kosten für das Personal, die bei Hector Rail gemietete Elektrolok, für den Ökostrom, die Trassen- und Stationsentgelte summieren sich - pro Hin- und Rückfahrt auf 25.000 bis 30.000 Euro.

Keine Online-Tickets mehr

Locomore betreibt seit Dezember 2016 einen Zug, der täglich von Stuttgart nach Berlin und zurück verkehrt. Mittlerweile beträgt die Fahrzeit sieben Stunden und elf Minuten. Nachmittags geht es zurück. Eine Fahrkarte für die ganze Strecke kostet 22 bis 98 Euro, je nachdem, ob der Kunde im Basic- oder Business-Tarif reist. Der Zug werde auch an diesem Freitag verkehren, hieß es.

Wie es weitergeht, sei auf der Website www.locomore.com zu erfahren. Der Online-Ticketverkauf wurde aber erst einmal unterbrochen.  Das Unternehmen bat Reisende, ihren Unmut nicht an dem Zugpersonal abzureagieren. „Die aktuelle Situation ist für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Locomore nicht einfach. Bitte behandelt unser Zugpersonal fair und respektvoll und habt Verständnis dafür, wenn euch das Zugpersonal nicht alle Fragen beantworten kann.“