Berlin - In die Diskussion um antisemitische Äußerungen Beteiligter des vom Berliner Senat mitfinanzierten Festivals „After The Last Sky“ im Ballhaus Naunynstraße, hat sich nun auch der Botschafter Israels, Yakov Hadas-Handelsmann, eingeschaltet. Bei den Zitaten, über die zuerst der Tagesspiegel berichtete, zum Beispiel, dass Israel ein „Apartheidsstaat“ oder ein „kolonialistisches Gebilde“ sei, handle es sich um Volksverhetzung, so Hadas-Handelsmann in einem Brief an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller.

Terror palästinensischer Organisationen gegen Israelis wurde im Ballhaus Naunynstraße als „Widerstand“ bezeichnet. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwieweit die Verantwortlichen in der Kulturverwaltung wussten, wer während des Festivals auftritt. Kuratorinnen des Festivals sind in der Vergangenheit nämlich bereits antizionistisch bis antisemitisch aufgefallen, wie Anna-Esther Younis in einem Interview im Jahr 2015.

Berliner Juden zeigen Solidarität mit dem Ballhaus Naunynstraße

Es gibt aber auch Solidarität mit dem Ballhaus Naunynstraße und dem Festival. In einem offenen Brief stellen sich Berliner Juden und Israelis gegen, wie sie schreiben, „politische Zensur“. Die Unterzeichner sind vor allem Kulturschaffende, darunter der Regisseur Udi Aloni, die Schriftstellerin Olga Grjasnowa, der Aktivist und Autor Armin Langer oder die Filmemacherin Angelika Levi. Sie zeigen sich bestürzt darüber, dass „kritische Äußerungen“ zu Israels Besatzungspolitik „nun auch in Berlin“ angeblich als antisemitisch gebrandmarkt werden.

Zu den Unterzeichnern gehören viele junge Leute, zum Beispiel DJs oder auch Wissenschaftler an Universitäten. Ein großer Teil der israelischen Gemeinde in Berlin gilt als sehr israelkritisch. Sie stellen jedoch auch klar, dass sie selbst sich uneins seien über die polarisierenden Positionen der BDS-Bewegung, die einen totalen Boykott Israels fordert und der die Kuratorinnen nahe stehen. Trotzdem sehen sie jene Position als „legitimen Bestandteil einer öffentlichen Debatte“.