Fast jeden Tag fehlten im Dezember bei der Berliner Feuerwehr Rettungswagen. Fast jeden Tag wurde dort deshalb „Ausnahmezustand Rettungsdienst“ ausgerufen. Am 4. Dezember galt dies gleich zweimal. Lediglich am 21., 23., 25., 26. und 27. Dezember standen genügend Rettungswagen zur Verfügung. Dies geht aus einer internen Auflistung hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt.
Den „Ausnahmezustand Rettungsdienst“ ruft die Leitstelle der Feuerwehr dann aus, wenn über 80 Prozent der Rettungswagen (RTW) ausgelastet sind und deshalb die vorgegebene Zeit vom Notruf bis zum Eintreffen der ersten Helfer nicht mehr gehalten werden kann. Personal, das laut Plan auf Löschfahrzeugen sitzt, muss dann die Rettungswagen besetzen. Dies geht zulasten des Brandschutzes. Bei Ausnahmezustand dürfen RTW nur für nötigste Arbeiten wie das Auffüllen von Material außer Betrieb genommen werden. Für Putzen und Pausen ist keine Zeit.
Laut der Auflistung, die die Feuerwehrleute erstellten, dauerte der „Ausnahmezustand Rettungsdienst“ im Dezember im Durchschnitt zehn Stunden und 22 Minuten. Die Mangellagen setzten im Durchschnitt gegen 13.30 Uhr ein und endeten erst gegen Mitternacht. Am schlimmsten war es etwa am 7. Dezember. An jenem Tag wurde bereits um 8.51 Uhr Ausnahmezustand ausgerufen, der nach 15 Stunden und 14 Minuten erst um 00.05 Uhr endete. Tags darauf sah es nicht besser aus: Um 9.55 begann der Ausnahmezustand Rettungsdienst, der 15 Stunden und fünf Minuten anhielt.
Ausnahmezustand hält 16 Stunden und 13 Minuten an
Den Rekord hält der 13. Dezember. An jenem Tag dauerte der Ausnahmezustand, der um 9.46 Uhr begann, 16 Stunden und 13 Minuten.
Der Ausnahmezustand am 31. Dezember betraf die gesamte Behörde und wurde planmäßig als „Ausnahmezustand Silvester ausgerufen“. Er dauerte von 20.15 Uhr bis 4.20 Uhr.
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Experten machen mehrere Gründe für die Misere im Rettungsdienst aus: Da ist zum einen die gestiegene Anzahl von Bagatelle-Einsätzen. Außerdem fehlt es an ausgebildetem Personal sowohl bei der Feuerwehr als auch bei den unterstützenden Hilfsorganisationen. Zudem gab es Einsparungen bei der Kassenärztlichen Vereinigung, die zu Beispiel seit einem Jahr keine Krankentransporte mehr vermittelt. CDU und die SPD-geführte Innenverwaltung planen deshalb für dieses Jahr unter anderem mehrere Änderungen des Berliner Rettungsdienstgesetzes.


