Die Stürme der vergangenen Tage haben die Berliner Feuerwehr vor bislang nie da gewesene Herausforderungen gestellt. „Wir haben unsere Leistungsgrenze erreicht und waren an manchen Stellen auch etwas überlastet“, sagte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Von Donnerstag, 0 Uhr, bis Sonntag, 16 Uhr, als der drei Mal ausgerufene „Ausnahmezustand Wetter“ zunächst beendet wurde, gingen in der Leitstelle 15.300 Notrufe ein – ein Rekordwert. Normalerweise erhält die Leitstelle innerhalb von 24 Stunden durchschnittlich 2500 Notrufe. Aus den über 15.000 Notrufen resultierten fast 4000 wetterbedingte Einsätze. Dies sei eine größere Zahl, als in der Historie bekannt sei, als etwa das Sturmtief „Xavier“ 2017 bei der Feuerwehr einen mehrere Tage andauernden Ausnahmezustand zur Folge hatte. Noch am Sonnabend und Sonntag seien in der Spitze bis zu 600 Einsätze von niedrigerer Priorität abzuarbeiten gewesen, so Homrighausen.

Fast 150 Löschfahrzeuge gleichzeitig im Einsatz

Zeitweise waren während des Sturms über 1000 berufliche und ehrenamtliche Feuerwehrleute im Einsatz, fast 150 Löschfahrzeuge waren gleichzeitig unterwegs. Auch das Technische Hilfswerk wurde in Anspruch genommen. „Das Ausmaß hat alles bisher Dagewesene deutlich überschritten“, sagte der Feuerwehrchef.

Seit Donnerstag wurden in Berlin Sturmböen von bis zu 120 Stundenkilometern gemessen. Vor allem im Süden und Südwesten der Stadt häuften sich die Einsätze. In Schlachtensee wurden zwei Personen, die sich trotz Warnungen in einem Waldgebiet aufhielten, durch herabstürzende Äste verletzt. Eine besondere Herausforderung stellte für die Feuerwehr eine umgestürzte ehemalige Funkfeuerantenne des früheren Flughafens Tempelhof dar. Sie blockierte die Gleise des S-Bahn-Rings. Auf dem Dach des Paul-Löbe-Hauses musste der Höhenrettungstrupp lose Bauteile fixieren. Und auf dem Tegeler See hatte der Sturm ein Fahrgastschiff losgerissen, das von der Feuerwehr wieder an Land geholt werden musste.

Auch das Sturmtief „Antonia“, das derzeit durch Deutschland fegt, wird die Berliner Feuerwehr noch weiter beschäftigen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Sturmböen, die noch bis zum späten Montagnachmittag  anhalten sollen.

Homrighausen sagte mit Blick auf eine Veränderung des Wetters: „Wir beobachten, dass sich die Einsatzszenarien deutlich verändern.“ In der Vergangenheit habe man diese Art von Stürmen alle zwei oder drei Jahre erlebt. Nun nehme die Häufigkeit und Intensität deutlich zu. Vor einigen Jahren hätten auch das Thema Hitze und Dürre noch nicht so eine große Rolle gespielt, die in den Sommern vor allem alte Menschen in Notlagen gebracht hätten. Auf solche Einsatzszenarien müsse sich die Feuerwehr einstellen.