Wohnungen in Berlin sind knapp. Wer Fachkräfte, etwa in der Pflege, finden will, muss deswegen mehr bieten als einen Job: am besten eine bezahlbare Unterkunft.
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BerlinDie Berliner Polizei hat erst vor wenigen Wochen den Schlüssel für neue Apartments übernommen, die sie ihren Auszubildenden zur Verfügung stellt. Auch die Fachgemeinschaft Bau errichtet ein Wohnhaus, in das Bauleute einziehen sollen. Und der Bund plant den Bau neuer Wohnungen für seine Beschäftigten in der Hauptstadt. Immer mehr Arbeitgeber bieten ihren Beschäftigten neben dem Job eine passende Wohnung. In Berlin wie im übrigen Bundesgebiet.

„Aus Sicht der Unternehmen stellt Mitarbeiterwohnen ein attraktives Instrument der Personalpolitik dar“, sagt Arnt von Bodelschwingh, Geschäftsführer des Berliner Instituts Regiokontext. Er hat in einer am Mittwoch präsentierten Studie aktuelle Beispiele für die neue Form des Werkswohnungsbaus zusammengetragen. Die Ausweitung des Wohnungsangebots nutze dem gesamten Immobilienmarkt, sagt von Bodelschwingh. Er werde dadurch entlastet. Wie viele Arbeitgeber Wohnungen für ihre Mitarbeiter bereitstellen, ist aber unklar. „Es gibt keine amtlichen Zahlen“, sagt er.

Arbeitgeber wie BASF oder VW lassen Wohnungen bauen

Im Bundesgebiet bieten große Arbeitgeber wie die Deutsche Bahn, Industrieunternehmen wie BASF, Bosch, Audi und VW, aber auch die Stadtwerke in Köln und München Wohnungen für ihre Beschäftigten an. In Berlin gehört die landeseigene Berlinovo dazu.

Die Berlinovo hat in der Friedenshorster Straße in Lichtenberg Ende vergangenen Jahres zwei Wohngebäude mit 64 Ein-Zimmer-Apartments und 37 Doppelapartments fertiggestellt – die Doppelapartments sind für Polizeianwärter reserviert.

Warmmiete pro möbliertem Doppelapartment mit etwa 34 Quadratmeter: 760 Euro. Das Ein-Zimmer-Apartment (16 Quadratmeter) ist für 380 Euro zu haben. Wirklich günstig sind die Unterkünfte damit nicht. Nur wegen der geringen Größe der Apartments kommt unterm Strich eine vergleichsweise moderate Miete zustande. Zuschüsse von Polizei oder Senat gibt es für die Unterkünfte laut Berlinovo nicht.

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In Spandau plant die Berlinovo an der Radelandstraße den Bau von 82 Doppelapartments für 164 Bewohner. Sie sind für Beschäftigte des mittleren und gehobenen Dienstes der Polizei gedacht. Der Bau soll im Sommer 2021 starten und 2022 abgeschlossen werden. Bis 2022 will die Berlinovo insgesamt 3900 Wohnplätze in Berlin schaffen. Kooperationen sind dabei nicht nur mit der Polizei, sondern auch mit dem Klinikkonzern Vivantes sowie mit der Freien Universität geplant.

Um Wohnungen für Facharbeiter zu schaffen, errichtet die Fachgemeinschaft Bau, die Vertretung der kleinen und mittelständischen Bauwirtschaft, derzeit in der Kalkhorster Straße 13 in Wilmersdorf ein Mehrfamilienhaus mit 37 Wohnungen. Die 30 bis 80 Quadratmeter großen Unterkünfte sollen Mitte des Jahres fertig werden und an Mitgliedsunternehmen vermietet werden. Geplant ist, dass diese die Wohnungen dann an Bauleute weitervermieten. Noch stehen die Mieten nicht genau fest, doch sind 11,50 bis 12,50 Euro je Quadratmeter im Gespräch. Die Unternehmen können die Wohnungen danach aber günstiger vermieten.

Der Bund hat in Berlin Flächen für den Bau von 2500 Wohnungen für seine Bediensteten ausgemacht. Dazu gehört das Gelände der ehemaligen Cité Foch in Wittenau. In der ehemaligen Siedlung der französischen Streitkräfte sind 400 Wohnungen geplant. An der Breiten Straße in Mitte könnten 50 Wohnungen entstehen. Als weiterer Standort kommt die Cité Pasteur in Tegel infrage. Wann gebaut wird, ist offen. Laut Haushaltsgesetz 2020 darf der Bund die Mieten seiner Wohnungen auf angespannten Märkten wie Berlin auf zehn Euro je Quadratmeter begrenzen.

Deutsche Mieterbund (DMB) unterstützt den Bau

Sowohl der Deutsche Mieterbund (DMB) als auch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW unterstützen des Bau von Mitarbeiterwohnungen. „Wer Mitarbeiter sowie Fachkräfte sucht, muss sich heute auch um die Frage des Wohnens kümmern“, so DMB-Geschäftsführer Ulrich Ropertz. Immerhin: Die Bundesregierung hat zum Jahreswechsel eine entscheidende Hürde für das Mitarbeiterwohnen aus dem Weg geräumt.

Wenn Arbeitgeber ihren Beschäftigten verbilligt eine Wohnung zur Verfügung stellen, müssen auf diesen Vorteil keine Steuern mehr gezahlt werden. „Der Engpass beim bezahlbaren Bauen und Wohnen ist und bleibt aber die Grundstücksvergabe“, so GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser. Die Kommunen müssten verstärkt Bauflächen ausweisen.