Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist knapp ein Jahr nach seinem Rücktritt wieder Chefkontrolleur der Berliner Flughäfen. Der Aufsichtsrat wählte ihn am Freitag mit großer Mehrheit erneut zum Vorsitzenden. Nominiert wurde er vom Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus, Wolfgang Krüger. Die Vertreter Brandenburgs stimmten uneinheitlich ab. Anders als die SPD-Seite votierte Finanzminister Helmuth Markov mit Nein, Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (beide Linke) enthielt sich.

Wowereit hatte den Posten im Januar geräumt, nachdem erneut ein Eröffnungstermin für den künftigen Großflughafen BER in Schönefeld verschoben werden musste. Seit August leitete er den Aufsichtsrat kommissarisch. Das Vorschlagsrecht für einen neuen Vorsitzenden lag bei Brandenburg, doch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) konnte keine mehrheitsfähige Lösung aus den eigenen Reihen präsentieren. Zuletzt hieß es, Woidke könne mit Wowereit leben. Die rot-rote Koalition in Brandenburg zeigte sich aber uneinig. Die Linkspartei wollte Wowereit nur mittragen, wenn er einer Ausweitung des Nachtflugverbots am neuen Flughafen zustimmt.

Der Senat lehnt das strikt ab, weil er die Wirtschaftlichkeit des BER dadurch in Gefahr sieht. Die Haltung der Koalition in Brandenburg gilt als Hauptgrund, warum Wowereit trotz absehbarer Proteste erneut die Verantwortung für das Pannenprojekt übernimmt. In der Senatskanzlei wird befürchtet, dass Rot-Rot sich vor der Landtagswahl im Herbst zunehmend vom BER distanziert. Jetzt gehe es auch darum, die Interessen der Hauptstadt zu wahren und den Flughafen wie geplant fertigzustellen, hieß es in Berlin. Einen neuen Eröffnungstermin für den BER legte der Aufsichtsrat nicht fest.

Die Grünen kritisierten die Entscheidung. „Wowereits Wahl ist ein Hohn für alle Berliner, die sich hier täglich krumm machen für ihre Familien und ihre Kinder in marode Schulen schicken müssen“, sagte die frühere Spitzenkandidatin Renate Künast.