Berlin - Im Gastgewerbe nennt man das Soft Opening – zu deutsch sanfte Eröffnung. Davon ist die Rede, wenn ein neues Hotel nach und nach in Betrieb geht, bis dann die große feierliche Eröffnung stattfindet und die volle Kapazität zur Verfügung steht. Was in der Tourismusbranche schon seit langem gebräuchlich ist, könnte es auch am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) geben. Nach Informationen der Berliner Zeitung untersuchen die Planer, ob es sinnvoll wäre, den Flugbetrieb von den beiden bestehenden Flughäfen nacheinander zum BER zu verlagern. Zunächst würde der Flughafen Schönefeld umziehen – und erst Monate später der Flughafen Tegel.

Als der 3. Juni 2012 noch als BER-Eröffnungstermin galt, war geplant, dass die Technik und das Personal der bestehenden Airports zur selben Zeit übersiedeln – eine spektakuläre Aktion, die es in dieser Form erstmals gegeben hätte. Doch wie nun aus dem Flughafen-Aufsichtsrat zu erfahren war, wird für die inzwischen für 2013 geplante Eröffnung des BER als mögliche Alternative auch ein anderes Verfahren geprüft: ein Umzug in zwei Etappen. Das hätte mehrere Vorteile, hieß es.

Schonendes Soft Opening

So würde die komplexe Technik des BER nicht gleich mit dem vollen Passagieraufkommen belastet und könnte sich behutsam einspielen, ohne dass jeder Fehler den gesamten Flugbetrieb in der Region stört. Der jetzige Schönefelder Flughafen wird weniger stark genutzt als Tegel. Während dort in den ersten sieben Monaten dieses Jahres rund 42 000 Starts und Landungen stattfanden sowie 4,1 Millionen Fluggäste abgefertigt wurden, zählte man in Tegel 97.000 Flugbewegungen und 10,2 Millionen Passagiere.

Nach dem Germanwings-Umzug nach Tegel wird es in Schönefeld noch leerer werden. Damit wäre am BER ein schonendes Soft Opening möglich. Wird tatsächlich ein solches Verfahren gewählt, könnte sich das auch positiv auf den Eröffnungstermin auswirken. Wenn der neue Hauptstadt-Airport zunächst mit verminderter Nutzung ans Netz ginge, könnte er früher eröffnet werden, als wenn er von Anfang an unter Volllast betrieben werden müsste. Ein Soft Opening wäre im Frühjahr oder Sommer 2013 denkbar.

Das würde Planern und Politikern nicht nur endlich wieder einen Erfolg bescheren, was vor der für September 2013 geplanten Bundestagswahl wichtig wäre. Es könnte auch der Flughafengesellschaft FBB einen Teil der Schadenersatzzahlungen ersparen, die Laden- und Gaststättenbetreiber fordern, falls sich die Eröffnung länger verzögert.

Bald erste Starts von der Südbahn

Allerdings würden neue Kosten fällig – für den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel. Rechtlich wäre ein solcher Doppelbetrieb aber möglich. Die Betriebsgenehmigung für Tegel erlischt erst sechs Monate nach der Eröffnung des Flughafens BER.

Offiziell wollte sich die FBB nicht äußern. Wann die BER-Eröffnung stattfindet und wie sie abgewickelt wird, werde der Aufsichtsrat am 14. September beraten, hieß es dort.

Kommenden Donnerstag heben erstmals Flugzeuge von der neuen BER-Südbahn ab. Für die Übungsflüge während der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA hat das Land Brandenburg eine Ausnahmegenehmigung erteilt.