Das Jahr hat gerade erst begonnen, doch der Flughafen Tegel hat schon seinen ersten Rekord erzielt. Im Januar starteten und landeten dort 1 310 647 Fluggäste – rund 9,6 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres und so viele wie noch nie in einem Januar. Auch die Zahl der Starts und Landungen ist erneut gestiegen und liegt über den Prognosen. Im ersten Monat dieses Jahres wurden in Tegel 12 751 Flugbewegungen registriert – 4,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Doch lange kann das Wachstum nicht mehr weitergehen, fürchtete Flugkapitän Thomas Kärger, der oft von Tegel fliegt. „Mehrmals am Tag ist der Flughafen voll ausgelastet, da sind keine weiteren Flüge mehr möglich.“

Für die einen ist er ein Wunder, für andere ein Ärgernis. Schon seit Jahren arbeitet der Flughafen Tegel am Limit, die Kapazitätsgrenzen sind längst erreicht. Nur weil dort so viele kundige Menschen mit Teamgeist arbeiten, klappt der Betrieb noch, sagte Kärger. Ob es sich um Piloten, Fluglotsen oder Mitarbeiter in der Gepäckverladung handelt: „Ohne Improvisation wäre es nicht zu schaffen.“

Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn formulierte es am Montag so: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ganze Arbeit geleistet. Die Berliner Flughäfen sind erfolgreich in das neue Jahr gestartet. Das anhaltende Passagierwachstum ist eine gute Nachricht für die Region.“ Freundliche Worte, eine stolze Bilanz. Doch zukunftsfähig sei Tegel inzwischen nicht mehr, warnte Flugkapitän Kärger. „Es gibt Airlines, die würden nur zu gern nach Berlin-Tegel fliegen. Doch zu den Zeiten, die für sie kommerziell interessant sind, gibt es keine Kapazitäten mehr“, berichtete er. „Das hat gravierende Folgen für den Standort Berlin.“

Airlines werden abgewiesen

Inzwischen sei Tegel nicht mehr nur zwischen acht und neun Uhr morgens völlig ausgelastet, sondern auch an mehreren Stunden danach – bis in den Abend hinein. In der Luftfahrtszene hieß es, dass die Engpässe auch die Etablierung weiterer Interkontinentalstrecken verhindert haben – Strecken, bei denen die deutsche Hauptstadt noch großen Nachholbedarf hat. Fluggesellschaften mussten abgewiesen werden. In diesem Zusammenhang fällt unter anderem der Name Thai Airways, wofür es aber keine offizielle Bestätigung gibt.

Mehr als 52 Starts und Landungen pro Stunde verkraftet der Flughafen im Nordwesten Berlins nicht, die Fluggastterminals erlauben die Abfertigung von höchstens 32 startenden Maschinen pro Stunde. Dem Vernehmen nach hatten die Airlines für die Winterflugplanperiode aber zum Teil schon mehr als 50 Starts pro Stunde angemeldet. Ein weiteres Beispiel: In Tegel können maximal 48 Flugzeuge abgestellt werden. Doch es gibt Tageszeiten, da werden mehr als 50 Stellplätze benötigt. Dann kann die Betriebsleitung nur hoffen, dass sie die Erlaubnis erhält, den militärischen Teil in Tegel-Nord mitzunutzen.

Prognosen waren zu tief gegriffen

Die tatsächliche Entwicklung des Luftverkehrs in Tegel lässt selbst die optimistischen Vorhersagen der Flughafengesellschaft FBB hinter sich. Nach einer internen Hochrechnung, die der Berliner Zeitung vorliegt, rechnete das Staatsunternehmen für Januar mit 1,26 Millionen Fluggästen und 11 218 Flugbewegungen – beide Zahlen waren zu tief gegriffen. Für die Wintersaison, die von November bis Ende März dauert, erwartete die Flughafengesellschaft fast 6,95 Millionen Passagiere in Tegel, das wäre im Vergleich ein Plus von 2,5 Prozent. Doch der furiose Start im Januar lässt erwarten, dass auch diese Vorhersage von der Tegeler Wirklichkeit überholt wird.

Nur gut, dass der Winter bislang meist milde ausfiel und die Situation nicht noch zusätzlich durch Schnee und Eis verschärft wurde, sagte Thomas Kärger: „Bisher war uns der Winter freundlich gesonnen. Hoffentlich bleibt das so.“