Leeres Vorfeld in Tegel: Zeitweise sank das Passagieraufkommen um 99 Prozent.
Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

BerlinDie Corona-Krise hat auch die Flughafengesellschaft FBB hart getroffen. Bis 2025 wird das Unternehmen, das Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört, ungefähr jeden fünften Arbeitsplatz streichen. „Nach unserer Einschätzung geht es um einen Abbau von 400 Stellen in den nächsten Jahren, den wir mit dem Aufsichtsrat und den Gesellschaftern und natürlich dem Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi erörtern werden“, heißt es in einem am Mittwoch versandten Schreiben an die FBB-Mitarbeiter, das der Berliner Zeitung vorliegt. Absender sind FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup und Personal-Geschäftsführer Michael Halberstadt. Nach dem jüngsten Geschäftsbericht hat die Flughafengesellschaft etwas mehr als 2100 Beschäftigte, 87 Auszubildende und Studenten kommen hinzu.

„Der Luftverkehr und damit auch die Flughäfen stecken in der schwersten Krise ihrer Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg“ – so beginnt der drei Seiten umfassende Mitarbeiterbrief. „Noch nie in der Geschichte gab es einen derart langen und vor allem massiven Rückgang der Fluggastzahlen.“ Im April und Mai wurde in Tegel und Schönefeld nur ein Prozent des bisher üblichen Verkehrs abgefertigt. Zwar liege das Aufkommen inzwischen wieder bei 20 bis 25 Prozent den früheren Niveaus. Doch die Branche gehe davon aus, dass es noch mehrere Jahre dauern wird, bis die Zahlen von 2019 wieder erreicht werden, so die Flughafen-Manager. „Wir hoffen, im Jahr 2023 wieder auf 35 Millionen Fluggäste zu kommen“ – fast so viele waren es 2019.

Die Krise treffe die FBB hart, weil das Unternehmen durch die Kostensteigerungen beim Bau des BER ohnehin schon eine extrem hohe Schuldenlast zu tragen habe, hieß es weiter. Weil sich die Eröffnung des neuen Schönefelder Flughafens um mehr als acht Jahre auf Ende Oktober 2020 verzögert habe, fehlten Einnahmen. Covid-19 verschärfe die Lage. „Für uns bedeutet diese Entwicklung, alles auf den Prüfstand zu stellen und unsere Kosten massiv über Jahre zu senken“, so Lütke Daldrup und Halberstadt. So werde das Großprojekt Terminal 3 verschoben.

Derzeit sei rund die Hälfte der Beschäftigten in Kurzarbeit, die leitenden Angestellten und die Geschäftsführung verzichten auf zehn Prozent ihrer Gehälter. Budgets wurden gekürzt, es gelte ein Einstellungsstopp, der über Jahre hinweg bleiben werde. Allein in diesem Jahr könnten sich die Einsparungen auf rund 60 Millionen Euro summieren. „All diese Bemühungen werden aber nicht ausreichen“, hieß es weiter. Deshalb werde das Unternehmen „in den nächsten Jahren einen umfassenden Personalumbau einleiten, der alle Bereiche betrifft“. Ziel sei die „sozialverträgliche Umsetzung“ – Kündigungen soll es nicht geben.

„Den nun angekündigten Stellenabbau haben wir erwartet“, sagte ein Personalvertreter. Wichtig sei, dass es ein tragfähiges Konzept für die nächsten Jahre gebe. „Die Situation wird erst einmal nicht spürbar besser werden.“