Berlin - Im Streit um die Flugrouten und den Lärm am künftigen Hauptstadtflughafen BER erhalten Bür- gerinititiativen und Betroffene offenbar Unterstützung vom Umweltbundesamt (UBA). Wie am Wochenende bekannt wurde, setzt sich die Behörde für andere als die bisher geplanten Flugrouten ein. Außerdem drängt das UBA auf umfassende Maßnahmen zur Lärmminderung. Es fordert wegen der zu erwartenden Gesundheitsschäden ein generelles Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr – trotz eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, das eine nächtliche Ruhepause nur von 0 bis 5 Uhr vorschreibt. Zudem sollten die Flugrouten nach einem Jahr überprüft werden, heißt es.

Die weitreichenden Forderungen gehören zur „lärmfachlichen Bewertung“, die das UBA bei der Planung neuer Flugrouten abgeben muss. Über das Gutachten für Schönefeld, das am Dienstag offiziell in Berlin vorgestellt werden soll, berichtete die Märkische Allgemeine Zeitung bereits am Wochenende.

Die Lärmbelastung für Anwohner werde erheblich sein, heißt es. Nach den Angaben sieht das UBA besonders die Müggelsee- und die Wannseeregion problematisch. Es schlägt vor, bei Starts Richtung Osten möglichst viele Flüge auf die Nordbahn zu verlagern und von dort zunächst geradeaus zu fliegen, um nicht den Müggelsee überqueren zu müssen. Stattdessen sollten – anders als von der Deutschen Flugsicherung (DFS) empfohlen – die Gosener Wiesen überquert werden. Das entspricht dem Vorschlag der Berliner Gesundheitsverwaltung und auch der Forderung der BI Friedrichshagen.

Kritische Haltung der Umweltbehörde

Für den Wannsee hält das UBA unterschiedliche Routen am Tage und in der Nacht für sinnvoll. Danach sollte tagsüber der Wannsee nicht überflogen und die Routen um Potsdam und Caputh herumgeleitet werden. Nur in der Nacht könnte – bei wesentlich weniger Flügen – das Überfliegen des Wannsees möglich sein. Für die Havelseen empfiehlt das Amt lärmmindernde Anflugverfahren.

Die kritische Haltung der höchsten Umweltbehörde überrascht nicht. Bereits seit November 2010 drängt das UBA auf ein längeres Nachtflugverbot und warnt vor den gesundheitlichen Gefahren von Fluglärm. Mit dem Gutachten hat sie zumindest die Hoffnungen nicht enttäuscht, die bei Betroffenen geweckt wurden. Allerdings legt letztlich das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) den Verlauf der Flugrouten fest, die mit der Eröffnung des Airports am 3. Juni gelten werden. Das BAF will seine Entscheidung am 26. Januar bekannt geben. Nach Ansicht von Experten ist es eher unwahrscheinlich, dass dabei das Votum des UBA entscheidend berücksichtigt wird.

Verschiedene Bürgerinitiativen begrüßten am Sonntag das Gutachten. Brandenburgs Landesregierung müsse jetzt ein umfassendes gesetzliches Nachtflugverbot erlassen, erklärten Sprecher. Von einer „schweren Ohrfeige für die rücksichtslosen Nachtflugdurchsetzer“ sprach der Bürgerverein BVBB. Ganz anders, als eine „Sankt-Florians-Routenverschiebung zulasten der Brandenburger“, sieht die BI Gosener Wiesen das Gutachten. Für heute, 19 Uhr, jedenfalls ruft die BI Friedrichshagen zu ihrer 29. Montagsdemo auf. Sie spricht vom Auftakt des „Berliner Antifluglärm-Demojahrs 2012“.

Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) meldete sich am Sonntag zu Wort. Zu Nachtflügen sagte er zwar nichts, doch die BER-Fertigstellung will er rechtzeitig vor dem 3. Juni mit möglichst vielen Berlinern feiern.