Berlin -  Wer dieser Tage zum Osterspaziergang aufbricht, sollte Block und Bleistift mitnehmen. Das wünschen sich zumindest Wildtierforscher. Die Berlinerinnen und Berliner mögen doch Ausschau halten nach Feldhasen und Wildkaninchen, ihre Beobachtungen notieren und melden. Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und der Naturschutzbund (Nabu) haben ein großes Interesse an der Größe und Verbreitung der Populationen. Denn während in Brandenburg der Feldhase sich auf dem Land vom Acker macht, hat er vor allem in den Plattenbausiedlungen im Osten Berlins offenbar ein neues Zuhause gefunden. 

Es ist schon kurios. Wildtiere verlassen immer mehr ihre ursprünglichen Naturreviere wie Wälder oder Felder und ziehen in die Städte. Füchse, Steinmarder oder Waschbären streifen bereits seit Jahren ohne Scheu durch Berliner Wohnsiedlungen, Biber bauen im Tiergarten Burgen, Falken nisten in Kirchtürmen. Sogar Seemöwen fliegen fern der Ostsee über den Alexanderplatz und haben Brutplätze auf den Dächern der anliegenden Häusern. „Weil diese Tiere in der Stadt, etwa durch die Abfälle seiner Bewohner, mittlerweile bessere Nahrungs- und Lebensbedingungen vorfinden“, erklärt Nabu-Wildtierexpertin Katrin Koch den Umzug der Tiere.

Auch bei den Feldhasen, von denen es über drei Millionen in Deutschland gibt und deren Art bundesweit als gefährdet gilt, ist der Mensch der Grund, warum sie nun vermehrt in Berlin anzutreffen sind, so die Fachfrau. Die Tiere flüchten quasi aus Brandenburg, wo durch die Intensivierung der Landwirtschaft ihre Lebensräume vernichtet werden. Der Abbau von natürlichen Wiesen nimmt ihnen die Nahrungsgrundlage. Die ständige Bewirtschaftung der Felder würde den Feldhasen zudem ihr Zuhause nehmen, wo sie normalerweise Schutz vor Feinden wie Füchse und Greifvögel finden.

Hasen haben sich am Leben in der Stadt angepasst 

Anders in Berlin: Da tummeln sich die Feldhasen auf Grünflächen zwischen Wohnblocks, balzen auf Spielplätzen, überqueren routiniert Straßen und lassen sich selbst von Hunden nicht aus der Ruhe bringen. „Hasen sind lernfähig und sehen Menschen in der Stadt nicht als Feinde an“, sagt Hasen-Experte Dieter Köhler vom NABU Berlin. „Hier beobachtet man Szenen, die man sich in der Feldflur nicht vorstellen kann.“ Die Hasen hätten sich erstaunlich schnell an das Leben in der Großstadt angepasst.

Als Feldhasen-Hochburg gilt der Osten Berlins. Erste Beobachtungen ergaben, dass diese Hasen besonders in Lichtenberg in der Gegend um den Tierpark oder rings um die Wohnsiedlungen von Marzahn-Hellersdorf zu finden sind. „Vor allem in den grünen Innenhöfen fühlen sich die Feldhasen wohl“, sagt Nabu-Expertin Koch.

Die Wildkaninchen bevorzugen nach ersten Erkenntnissen dagegen den Westen Berlins. Im Tiergarten, im Park am Gleisdreieck, im Volkspark Jungfernheide und in den Gärten des Schlosses Charlottenburg sind sie oft zu beobachten, deren Abbild meistens für die Darstellung des Osterhasen verwendet wird.

Warum Wildkaninchen und Feldhasen ihre Gebiete in Berlin nach West und Ost aufgeteilt haben, ist unklar. „Vielleicht liegt es daran, dass der Feldhase als Einzelgänger den geselligen Kaninchen aus dem Weg geht“, sagt Katrin Koch. Es kann auch an der unterschiedlichen Lebensweise liegen. Anders als Kaninchen graben Feldhasen keine Erdbauten, sondern ducken sich bei Gefahr dicht an den Boden und bevorzugen daher Flächen, wo sie sich gut in Büschen und im hohen Gras tarnen können, die sie offenbar vermehrt im Ostteil Berlins finden.

Um mehr Erkenntnisse über die Vorkommen beider Tierarten in Berlin zu gewinnen, rufen Nabu und IZW die Berliner auf, bis zum 18. April ihre Feldhasen- und Wildkaninchensichtungen auf der Internetseite berlin.stadtwildtiere.de einzutragen, vielleicht sogar ein Foto eines entdeckten Tieres mit beizufügen. „Die Beobachtungen sind wichtig für die städtebauliche Entwicklung Berlins. Dass immer mehr Wildtiere in der Stadt leben, muss auch beim Planen von Wohnquartieren berücksichtigt werden“, sagt Nabu-Expertin Koch. Am besten könne man die Hasen in den Morgen- und Abendstunden entdecken.

Um die Arten nicht zu verwechseln gilt als Faustregel: Feldhasen unterscheiden sich durch ihre Größe und die längeren Ohren deutlich von den kleineren Wildkaninchen.