Viele Großstädter halten Minischweine wie Hunde oder Katzen.
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BerlinDie Afrikanische Schweinepest ist im Anmarsch, da sie sich in Polen kurz vor der Grenze zu Brandenburg immer weiter ausbreitet. Derweil bereiten sich die Behörden auch in Berlin auf einen Ausbruch der hoch ansteckenden und für Schweine immer tödlich verlaufenden Tierseuche im Stadtgebiet vor.

Das sorgt bei Haltern von sogenannten Minischweinen für massive Befürchtungen. Sie sorgen sich nicht nur vor der Krankheit selbst: Sie haben auch Angst, dass die Behörden ihre tierischen Weggefährten bei einem Seuchenausbruch vorsorglich töten lassen könnten, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet. Eine Klage soll nun die Minischweine retten.

Brief der Behörden

Bei Minischweinen handelt es sich um eher putzige Tiere, die allerdings etwa 65 Kilogramm schwer und bis zu 15 Jahren alt werden können. Es gibt etliche Großstädter, die sich solche Tiere in ihren Gärten oder gar auf Balkonen als Hausgenossen halten. Richtig erzogen gelten sie für viele als Gefährten wie Hund und Katze.

Nach einem Behördenbrief zittert nun Familie Rod aus Marzahn-Hellersdorf um das Leben ihres Minischweins Pitti. Die Familie hat sich entschieden, mit Unterstützung der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz vor das Berliner Verwaltungsgericht zu ziehen – um Pitti und seine Artgenossen zu retten. „Das Verfahren hat grundsätzliche Bedeutung für alle Minischweinhalter“, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung, die den Prozess finanziert. Man werde das Verfahren notfalls durch alle Instanzen klagen, um eine bundeseinheitliche Klärung zu erreichen.

Vorsorgliche Tötung von gesunden Schweinen

Das Problem ist dabei: „Minischweine gelten als Nutz- und nicht als Haustiere“, sagt André Brandt vom Ruppinerhof in Nordbrandenburg. „Wenn eine Seuche ausbricht und ein Tier in einem festgelegten Sperrgebiet lebt, kann es auf behördliche Weisung getötet werden – auch wenn es nicht erkrankt ist und von seinem Halter als Gefährte angesehen wird.“ Die vorsorgliche Tötung sei als Maßnahme gegen die Seuchenverbreitung anerkannt. Er habe zum Beispiel schon erlebt, dass gesunde Bienenvölker getötet wurden, um die Verbreitung einer Tierseuche gar nicht erst zuzulassen.

Ein offenes Ohr für die Sorgen der Minischwein-Halter hat Nadja Zivkovic (CDU). Sie ist Wirtschaftsstadträtin in Marzahn-Hellersdorf, wo Familie Rod mit Minischwein Pitti lebt. Zivkovic befürchtet, dass ein Behördenbrief unnötige Ängste vor Tiertötungen heraufbeschworen hat. Sie sagt: „Wir hatten ein allgemeines Schreiben an alle Besitzer geschickt. Darin war aufgeführt, was rein theoretisch im Falle eines Falles passieren könnte.“ Aber Zivkovic beruhigt: „Nur wenn ein Tier wirklich befallen wäre, müssten wir handeln.“

Auch Brandenburg vorbereitet

Zuvor würden selbstverständlich alle anderen Möglichkeiten zum Schutz der Tiere wie Stallhaltung oder eine Quarantäne ergriffen. Deshalb sagt Stadträtin Zivkovic: „Niemand will Minischweine keulen.“

Am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder wurde ein Schutzzaun gegen die Afrikanische Schweinepest errichtet.
Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz wollte sich am Freitag nicht zu dem Vorgang äußern. Zu anhängigen Gerichtsverfahren nehme man grundsätzlich nicht Stellung, teilte ein Sprecher mit.
Auch Brandenburg bereitet sich weiter auf den Ernstfall vor. Wie der Sprecher des Verbraucherschutzministeriums, Gabriel Hesse, am Freitag sagte, sei ein mobiler Elektrozaun an der Grenze zu Polen fast fertig. Südlich von Frankfurt (Oder) soll er verhindern, dass infizierte Wildschweine über die Grenze kommen.

Am Donnerstag wurde in Polen ein infiziertes Tier rund 21 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt gefunden. Bisher betrug die kürzeste Entfernung eines bekannten Falles in Polen zur Grenze 40 Kilometer.