Nach den Tumulten beim Fußballspiel TuS Makkabi gegen BFC Meteor 06 hat der Berliner Fußballverband die Meteor-Mannschaft für weitere Spiele gesperrt. Wie berichtet, hatte es am Sonntag auf dem Sportplatz an der Harbigstraße in Westend Auseinandersetzungen beim Spiel der 3. Herrenmannschaften gegeben.

„Auf Grundlage des Schiedsrichterberichtes wurde ein Spieler von Meteor 06 mit einer Vorsperre belegt“, sagte Verbandssprecher Kevin Langner am Dienstag der Berliner Zeitung. Auch dessen Mannschaft sei vorerst von weiteren Spielen suspendiert. Das Sportgericht werde am 18. September über das Strafmaß entscheiden.

Schon im Verlauf der ersten Halbzeit seien Spieler von TuS Makkabi von den Gegenspielern als „Judenschweine“ und „dreckige Juden“ beschimpft worden, teilte der Verein mit. Der 21-jährige Meteor-Spieler, der nun gesperrt ist, ging nach Erkenntnissen der Polizei auf einen 25 Jahre alten TuS-Anhänger los und pöbelte ihn judenfeindlich an. Er versetzte ihm einen Fußtritt in den Bauch. Zudem soll er sich die Eckfahne gegriffen und versucht haben, diese dem Mann auf den Kopf zu schlagen. Bevor der Schiedsrichter gegen ihn die rote Karte zücken konnte, ging das Spiel im Tumult unter.

Es kam zu weiteren Handgreiflichkeiten. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab. Die TuS-Spieler zogen sich in die Kabine zurück. Erst als die Gästemannschaft abgezogen war, konnte die Makkabi-Mannschaft unter Polizeischutz ihre Kabine verlassen. „Unsere Spieler sind tief erschüttert, dass sie auf ihrer eigenen Anlage unter Polizeischutz um ihre Gesundheit bangen mussten“, sagte Makkabi-Sprecher Claudia Offenberg.

Anti-jüdische Parolen sind kein Einzelfall

Darstellungen von Meteor, die Provokationen seien von beiden Seiten ausgegangen, weist Offenberg zurück: „Unsere Leute haben sich an den Provokationen nicht beteiligt. Das kann auch der Schiedsrichter bezeugen. Deshalb sind wir besonders enttäuscht, wie Meteor sich verhält“, sagte Offenberg. „Wir fordern von dem Club ein konsequentes Handeln gegen die Täter.“

Bestürzt zeigte sich das American Jewish Committee (AJC). Es dürften nicht die Augen davor verschlossen werden, dass alltäglicher Antisemitismus im Sport weit verbreitet sei, erklärte Deidre Berger, Direktorin des Berliner AJC-Büros, das Trikotsponsor für die 3. Herrenmannschaft bei TuS ist. „Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Spieler von TuS Makkabi judenfeindlichen Äußerungen ausgesetzt sehen.“ Es dürfe nicht sein, dass dieser Vorfall als „eine normale Prügelei zweier Fußballvereine trivialisiert werde.

Ein Polizeisprecher sagte am Dienstag lediglich: „Nach dem, was wir bisher wissen, gehen wir davon aus, dass wechselseitige Beleidigungen die Ursache für die Auseinandersetzung waren.“ Die Ermittlungen übernahm nicht der polizeiliche Staatsschutz, der sich nach antisemitischen Beleidigungen sonst stets einschaltet, sondern nur die örtliche Kripo.

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