Berlin - Rotterdam, Kopenhagen, Paris – das sind Vorbilder, an denen sich die Grünen für den Umbau Berlins zu einer zukunftsfesten Stadt orientieren wollen. Das sagte Spitzenkandidatin Bettina Jarasch, als sie am Mittwoch ihre Visionen für eine „Grüne Hauptstadtvision“ vorstellte. Nach den Abgeordnetenhauswahlen am 26. September wird man genauer wissen, wie und mit wem diese Visionen ausgeführt werden könnten.

Gezeigt wurden Beispiele für die Tauentzienstraße in der City-West, die Danziger Straße in Prenzlauer Berg und den Elsterwerdaer Platz in Biesdorf. Sie sollen in eine autofreie Flaniermeile mit E-Bus-Fahrbahn und abgetrenntem zweispurigem Radweg (Tauentzienstraße), eine fast schon geruhsame Verkehrsstraße mit grünem Radstreifen (Danziger Straße) sowie einen lebendigen Stadtplatz mit viel Grün und wenig Versiegelung (Elsterwerdaer Platz) umgebaut werden.

Ziel hinter diesen Visionen sei eine klima- und menschenfreundliche Stadt, sagte Jarasch, nach dem Motto: „Mehr Bullerbü mitten in der vibrierenden Hauptstadt.“ Dazu gehöre mehr Grün, mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger, mehr Busse und Bahnen.

Und die Autos? Wie viel Platz bleibt für den motorisierten Individualverkehr? Wie steht Bettina Jarasch zur Initiative „Volksentscheid: Berlin autofrei“, die Autos aus der Innenstadt nahezu verbannen und am Donnerstag 20.000 Unterschriften dafür bei der Innenverwaltung hinterlegen will?

„,Berlin autofrei‘ gibt Rückenwind, doch unsere Vision ist eine andere“, sagte Jarasch. „Wir wollen so wenige Autos wie möglich in der Innenstadt – und nur für die, die es brauchen.“ Dazu komme das Verbot von Verbrennermotoren in der Innenstadt ab 2030.

Besonders umstritten aber dürfte die Verwandlung der Stadtautobahn A100 werden, wie sie am Mittwoch vorgestellt wurde. Jarasch wiederholte ihre Forderung, dass der im Bau befindliche 16. Bauabschnitt zwischen Neukölln und Treptow entwidmet wird. Statt einer Autobahn solle auf den 3,2 Kilometern zwischen Grenzallee und Elsenbrücke eine Bundesstraße entstehen, mit Rad- und Fußweg an der Seite, Ampeln sowie einer  Grünanlage inklusive Bachlauf. Statt „Milliarden für eine Mobilität von gestern“ auszugeben, wolle man „eine Mobilität von morgen  für Millionen“, so Jarasch. Der geplante 17. Bauabschnitt von der Elsenbrücke zur Storkower Straße solle entfallen. Nach jetzigem Planungsstand soll der 16. Bauabschnitt im Jahr 2024 fertig werden.

Der Vorschlag enthält jede Menge Streitpotenzial. So hält der bisherige Koalitionspartner SPD an der Fertigstellung des 16. Bauabschnitts fest – „mit einer Deckelung im Bereich Alt-Treptow/Treptower Park“, wie es im Wahlprogramm heißt. Ein Rückbau sei eine „absurde und lebensfremde Idee“, noch dazu „wirtschaftsfeindlich“, heißt es aus der SPD-Spitze. Ob später auch der 17. Abschnitt in Angriff genommen werden sollte, sollten die Bürger dann in einer Abstimmung entscheiden.