Berlin - Nach dem schlechten Abschneiden der Berliner Grundschüler beim ersten innerdeutschen Ländervergleichstest will die Bildungsverwaltung die Sprachförderung an Kitas und Schulen effizienter ordnen. „Wichtig ist, dass wir die Sprachförderung weiter systematisieren und dabei insbesondere die Schnittstelle von Kita und Grundschule in den Blick nehmen“, sagte Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD). In interner Runde beklagte man, dass es derzeit zu  viele verschiedenen Arten von Sprachförderung in Berlin gebe. Bildungsforscher kritisierten bereits mehrfach, dass Sprachförderstunden  nicht effektiv eingesetzt werden,  bei hohem Krankenstand als erstes wegfallen und es keine Erfolgskontrollen gibt. 

Dafür aber gibt Berlin eine Menge Geld aus. Laut Verwaltung sind derzeit 1183 Lehrer tätig, um zusätzliche Sprachförderung zu betreiben. Das kostet gut 60 Millionen Euro jährlich. Auch die Sprachförderung in Kitas hat oft kaum die gewünschten Effekte, wie eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung festgestellt hat.

Beim Ländervergleich belegten die getesteten Berliner Viertklässler wie berichtet in Mathematik  den letzten und beim Lesen den vorletzten Platz. Besonders viele Schüler erreichten noch nicht einmal die Mindeststandards der 4. Klasse – in Mathe 27 Prozent aller Schüler  und beim Lesen 22 Prozent.  Allerdings ist in Berlin auch die Zahl der Kinder besonders groß, deren Eltern nichtdeutscher Herkunft sind oder als sogenannte „Bildungsferne“ kaum Bücher zu Hause haben.

Rackles fordert nun, dass das Sprachlerntagebuch aus den Kitas in wesentlichen Auszügen an die Grundschulen weitergegeben wird, damit die dortigen Lehrer  Sprachdefizite von Schulanfängern möglichst früh einschätzen können. Dagegen sperrt sich  der Datenschutzbeauftragte Alexander Dix.

Viele fachfremde Lehrer

Ein weiteres Problem besteht darin, dass in Berlin überdurchschnittlich viele Lehrer fachfremd unterrichten: Fast 38 Prozent der Grundschullehrer, die Mathe unterrichten, sind dafür nicht ausgebildet, auch immerhin 27 Prozent der Lehrer, die das Fach Deutsch unterrichten. In Brandenburg hingegen liegt der Anteil der fachfremden Lehrer in beiden Fächern nur bei jeweils 14 Prozent, in Sachsen und Thüringen tendiert er gegen null.

Angesichts der Ländervergleich-Ergebnisse forderte die Schulpolitikerin der CDU, Hildegard Bentele, „pädagogische Konzepte, die auf Grundlage klarer Leistungskriterien fördern und fordern“. Und Grünen-Politiker Özcan Mutlu sprach sich für mehr Fort- und Weiterbildung von  Lehrern und Erziehern aus.