Berlin - Die Forderungen werden immer lauter. Jetzt prüft die Deutsche Bahn (DB) erneut, ob das Ost-West-Dach des Hauptbahnhofs verlängert werden kann. Doch es gibt auch Gegenstimmen, die davor warnen. Weil der Bahn- und S-Bahn-Verkehr monatelang unterbrochen werden müsste, würden die Bauarbeiten zu einem Chaos führen, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Ole Kreins. „Wir sollten auf die Dachverlängerung verzichten.“ Auch der Fahrgastverband IGEB sprach sich dagegen aus.

„Das Geld sollte lieber in Projekten, von denen die Fahrgäste wirklich profitieren, angelegt werden“, sagte Verbands-Vize Jens Wieseke.

Hauptbahnhofsarchitekt Meinhard von Gerkan machte den Anfang, Haushaltspolitiker des Bundestags legten in einem Gespräch mit Bahnchef Rüdiger Grube nach. Der Streit um das Ost-West-Dach ist wieder aufgeflammt. Weil der Bahnhof 2006 zur Fußball-WM fertig werden sollte, wurde der Wetterschutz nur rund 321 Meter lang – und nicht 454,6 Meter wie zuletzt vorgesehen. Bereits hergestellte Dachelemente wurden im Viadukt zwischen der Koppen- und Andreasstraße neben dem Ostbahnhof eingemauert.

Weil das Dach ICE-Züge nur zum Teil bedeckt, müssten Erste-Klasse-Passagiere im Regen aussteigen, sagen Kritiker. Zudem wirke der Bahnhof falsch proportioniert – wie eine Wurst, von der jemand etwas abgebissen habe, zitierte von Gerkan den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Nun hat die Bahn reagiert. „Wir untersuchen bis zur Sommerpause detailliert, welche finanziellen, baulichen und vor allem verkehrlichen Auswirkungen eine Dachverlängerung haben würde“, sagte ein Sprecher. „Wir werden diese Analyse und unsere Schlussfolgerungen dann der Öffentlichkeit mitteilen.“

Intern hieß es aber, dass die Prüfung negativ ausfallen wird. Schon 2008 hieß es in einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums, dass der gesamte Bahn- und S-Bahn-Betrieb auf allen sechs Ost-West-Gleisen drei Monate unterbrochen werden müsste. Inzwischen wäre sogar mit einer mindestens sechsmonatigen Sperrung zu rechnen – mit der Folge, dass alle Fahrgäste zwischen Zoo und Friedrichstraße auf Busse umsteigen müssten. Denn die Bautechnologie wäre heutzutage komplizierter und teurer, damit wären die Kosten auch höher als die vom Bund 2008 veranschlagten 53 Millionen Euro. Weil neben dem Bahnhof ein Hotel und die Baustelle für die S-Bahn-Linie 21 entstanden sei, fehle Platz für die Aufstellung von Kränen, so die DB.

S-Bahn soll in Betrieb bleiben

Von Gerkan fordert, das Dach 2015 zu verlängern, wenn im Hauptbahnhof ohnehin gearbeitet wird. Wie berichtet muss die DB Gleiskonstruktionen austauschen. Doch dafür sollen lediglich die Fern- und Regionalzuggleise 86 Tage gesperrt werden, die Gleise für die S-Bahn blieben den Planungen zufolge in Betrieb. „Wir brauchen sie, damit der Ost-West-Verkehr aufrechterhalten werden kann“, so die Bahn.

Es gebe noch weitere Argumente gegen eine Dachverlängerung. So müssten die meisten Glasscheiben erst noch hergestellt werden, und ein großer Teil der Gummiprofile sei inzwischen spröde und unbrauchbar geworden. Nicht zuletzt sei das Dach exakt so lang, wie von Gerkan dies zunächst vorgesehen hatte – er habe die Planung später geändert.

Ein längeres Dach wäre sicher schön, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband. „Nice to have. Doch eine so lange Unterbrechung des Bahnverkehrs ist es nicht wert.“