Die Polizei ist am Dienstag gegen mutmaßliche Islamisten vorgegangen. 400 Beamte durchsuchten in Tempelhof einen Moscheeverein sowie sieben Wohnungen in Tempelhof-Schöneberg, Neukölln und Wilmersdorf.

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Im Zentrum der Durchsuchungen stand die etwa 2?500 Quadratmeter große Ibrahim Al Khalil-Moschee in der Colditzstraße. Nach dem Ende des Morgengebets, um 6.30 Uhr, begannen vermummte Polizisten mit der Durchsuchung. Die Beamten beschlagnahmten Computer und kartonweise Unterlagen. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt „wegen des Verdachts der Vorbereitung sowie der Anstiftung zur Vorbereitung von schweren staatsgefährdenden Gewalttaten“. Anhaltspunkte, dass die Beschuldigten Anschläge in Deutschland planten, haben die Ermittler nicht.

Spendenstapel bis zur Decke

Verdächtigt wird der 51-jährige Imam der Moschee, Abdelkader Daoud aus Marokko. Die Ermittler glauben, dass er andere angestiftet habe, sich in Syrien mit dschihadistischen Gruppen am bewaffneten Kampf gegen das Assad-Regime zu beteiligen.
Der Imam wurde befragt aber nicht festgenommen. Daoud bezeichnet die Vorwürfe im Gespräch mit der Berliner Zeitung als absurd. „Hier wird niemand für Syrien oder den Irak rekrutiert. Es wird auch nicht zu Gewalt aufgerufen“, sagte Abdelkader Daoud. „Sie können hier jeden einzelnen Gläubigen fragen, keiner wird so etwas sagen.“

Er empfinde sich als Teil Deutschlands, so der Imam, der selbst nur arabisch spricht, weshalb sein Sohn dolmetschte. Dieser ergänzte: „Die Jugendlichen radikalisieren sich über das Internet. Die hören gar nicht mehr auf einen Imam.“

Polizisten auf Socken

Auch Moscheevorstand Amtel al Amana beteuert, dass es keine islamistischen Umtriebe bei ihm gebe. Er beschwerte sich darüber, dass die Polizisten den Gebetsraum in Schuhen gestürmt hätten. Im weiteren Verlauf des Einsatzes bewegten sich die vermummten Beamten deshalb auf Socken durch das Gotteshaus.

Entgegen den Beteuerungen des Imams wird seine Moschee erstmals im Berliner Verfassungsschutzbericht 2014 erwähnt. Darin wird die Ibrahim al-Khalil-Moschee als salafistischer Treffpunkt bezeichnet. So fand dort im August vergangenen Jahres erstmals ein salafistisches „Islamseminar“ statt. Solche Veranstaltungen dienen der Vernetzung der Salafisten und der Werbung neuer Anhänger. Die meisten der Berliner „Islamseminare“ hatte es bis dahin in der Al-Nur-Moschee in Neukölln und der as-Sahaba-Moschee in Wedding gegeben.

Etwa 2?400 Mitglieder hat die Gemeinde, rund 700 kommen regelmäßig zum Freitagsgebet in die Colditzstraße. Die Moschee liegt unauffällig in einem Gewerbegebiet neben einer Autowerkstatt und in der Nähe eines Tanzstudios. Im Café der Moschee häufen sich Säcke mit Kleiderspenden, im Nebenraum stapeln sie sich bis an die Decke. Amtel al Amana sagt, die Spenden seien für Flüchtlinge gedacht. Der Berliner Verfassungsschutz hat Erkenntnisse, dass Salafisten - die einen Islam aus dem siebenten Jahrhundert, zu Zeiten Mohammeds predigen - vor Flüchtlingsunterkünften werben und versuchen, Anhänger zu rekrutieren.

Seit sechs Monaten ermittelt die Polizei gegen die Beschuldigten, darunter auch gegen einen 19-jährigen Mazedonier aus dem Umfeld des Moscheevereins. Er soll derzeit in Syrien kämpfen. Die Wohnungen, die ebenfalls durchsucht wurden, gehören mutmaßlichen Kontaktpersonen der beiden Hauptverdächtigen.

Henkel: Keine Toleranz

Einen Zusammenhang mit dem Fall des in der vergangenen Woche erschossenen Islamisten gibt es nicht, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Der 41-jährige Iraker hatte zuvor mit einem Messer auf eine Polizistin eingestochen.
„Wir schauen genau hin, was die islamistische Szene in der deutschen Hauptstadt treibt“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) nach dem Polizeieinsatz. „Es darf und wird keine Toleranz geben für diejenigen, die in Moscheen zu Hass und Gewalt anstacheln.“