Berlin - Es ist das Großprojekt in der Hauptstadt im Kampf gegen die Corona-Pandemie: der Aufbau der sechs Impfzentren, den der einstige Berliner Feuerwehrchef Albrecht Broemme leitet. „Die Arbeiten gehen sehr gut voran“, sagte der 67-Jährige am Donnerstag der Berliner Zeitung. Und doch: Es ruckelt an einigen Stellen.  Zwei Wochen hatte Broemme sich für die Errichtung der Zentren gegeben, den 15. Dezember als möglichen Termin der Fertigstellung genannt. Doch so ganz kann er diesen nicht halten. Es kam zu Verzögerungen, wie Broemme erklärte. „Aber bis Ende der kommenden Woche werden die ersten Impfzentren fertig sein.“

Das wären die Veranstaltungshalle Arena Berlin in Treptow, die Messehalle 21 in Charlottenburg und ein Hangar am früheren Flughafen Tempelhof. „Auch bei der Halle am einstigen Flughafen in Tegel drücken wir gerade mächtig auf die Tube“, sagte Broemme. Danach sollen die Impfzentren im Velodrom in Prenzlauer Berg und im Erika-Hess-Eisstadion in Wedding fertig werden.

Ein Problem sei, dass die Hallen nicht gleich seien, so der Projektleiter. „Man kann nicht einfach einen Plan für ein Impfzentrum machen und diesen als Blaupause für alle verwenden.“ Jedes dieser Zentren werde ein Unikat.

Für den Aufbau der Zentren sind 15 Firmen mit ihren Zulieferern im Einsatz. In den Hallen sind bereits die EDV- und Stromleitungen verlegt. Nun müssen die Fußböden fertig werden, auf diesen Böden dienen farblich unterschiedliche Markierungen als Wegeleitsystem durch die Impfzentrenn. Erst wenn die Fußböden fertig sind, können die Impfkabinen aufgestellt werden.

Zu Verzögerungen kam es beim Bau der sogenannten Reinräume. „Dort wird das angelieferte Serum gegen Corona vom medizinischen Fachpersonal gemischt, bevor es verimpft wird“, sagte Broemme. „Daher müssen diese Räume nach ganz speziellen Vorgaben gefertigt werden.“ Diese hätten Experten in den vergangenen Tage stets geändert. „Erst am Dienstag bekamen wir die endgültige Vorgabe, nach der nun die Messebauer diese Räume errichten können.“

Auch beim Impfstoff läuft nicht alles nach Plan. Noch immer fehlt die Zulassung. Diese soll durch die Europäische Union offenbar erst Ende Dezember erteilt werden. Der Plan, noch vor Weihnachten mit dem Impfen zu starten, ist damit in Berlin nicht mehr haltbar. Experten halten es für realistisch, dass in Deutschland mit dem Impfen frühestens ab Mitte Januar begonnen werden kann.

Berlin bekommt weniger Impfdosen

Zudem gibt es seitens der Hersteller Verzögerungen beim Aufbau der Lieferketten. Berlin wird daher zum Auftakt nicht die ursprünglich anvisierten 900.000 Impfdosen erhalten, sondern nur 720.000, wie die Senatsgesundheitsverwaltung mitteilte. Damit können nicht, wie vorgesehen, 420.000 Berliner in der ersten Phase zweimal innerhalb von drei Wochen geimpft werden. Die Zahl werde deutlich darunter liegen, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci dem RBB.

Laut der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes sollen zunächst Senioren über 80 Jahre, Pflegeheimbewohner sowie Klinik- und Altenheim-Personal mit höchstem Infektionsrisiko geimpft werden. Bundesweit sind das 8,6 Millionen Menschen. In Berlin gibt es laut Statistik etwa 390.000 Einwohner über 75 Jahre. Etwa 100.000 Berliner arbeiten in Kliniken und in der Pflege.

Insgesamt hat sich Deutschland über den Verteilerschlüssel der EU rund 300 Millionen Impfdosen gesichert. Dafür sind im Bundeshaushalt 2021 vorerst 2,7 Milliarden Euro reserviert. Die ersten Dosen, die geliefert werden sollen, kommen von den Herstellern Biontech/Pfizer und Moderna. Von diesen Herstellern soll Berlin am Anfang 310.000 Dosen erhalten. Die zentralen Lager sind geheim. Bekannt wurde nur, dass die Bundeswehr für die Lagerung und den Schutz des Impfstoffes eingesetzt werden soll.

So wird es offenbar auch in Berlin geschehen. Der Impfstoff wird je nach Bedarf täglich an die sechs Impfzentren der Stadt geliefert werden. „Bis zu 6000 Impflinge an einem Tag können es etwa in der Arena sein“, sagt Broemme. Die Impfzentren dürfen aber nur die Berliner aufsuchen, die dazu postalisch eingeladen wurden. Das Impfen ist kostenlos und freiwillig.

In jedem der sechs Impfzentrum sollen täglich 120 Ärzte und medizinisches Personal arbeiten, dazu kommen 80 Helfer. Dazu werden 30 Mediziner in mobilen Impfteams in die Pflegeheime gehen. Für die Rekrutierung der Ärzte ist die Kassenärztliche Vereinigung verantwortlich. 780 Mediziner haben sich bisher gemeldet. Man könne ein Drittel der Dienstpläne in den Impfzentren bis Mitte Januar besetzen, heißt es.