Berliner Jugendämter können Kinderschutz nicht mehr gewährleisten

Den Mitarbeitern einiger Berliner Jugendämter war schon lange klar, dass sie hoffnungslos überlastet sind. Nun hat auch der Berliner Senat die Missstände ganz offiziell eingestanden. „Die Personalsituation wird von den Bezirken und der Senatsverwaltung für Bildung und Jugend als unzureichend beschrieben“, heißt in einem Eckpunkte-Papier der Senatsjugendverwaltung mit Blick auf die regionalen Sozialpädagogischen Dienste. „Sie beklagen einen seit Jahren herrschenden Personalnotstand, die enorm hohe Fluktuation von Mitarbeitern und dass der Kinderschutz nicht mehr gewährleistet werden kann.“

Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) drängt hier schon länger auf Verbesserungen. In Abstimmung mit der Finanzverwaltung ist nun schriftlich fixiert, wie viele Fälle ein Jugendamtsmitarbeiter maximal zu betreuen hat. „Eine Fachkraft-Fallrelation von 1:65 wird als ein relevanter Orientierungsrahmen betrachtet“, heißt es im Eckpunkte-Papier.

Gleichzeitig wird betont, dass sechs von zwölf Bezirken bereits jetzt diese Fallzahl ungefähr erreichen. Andere Jugendämter wie Tempelhof-Schöneberg, Spandau oder Marzahn-Hellersdorf gelten als besonders ausgedünnt.

Senat setzt sich für Höhergruppierung der Mitarbeiter ein

In Marzahn-Hellersdorf steigt die Zahl der zu betreuenden Fälle besonders drastisch an – um 85 Prozent innerhalb von acht Jahren, in Pankow waren es im gleichen Zeitraum nur 17 Prozent. Der Anteil der 0- bis 21-Jährigen an der Bevölkerung wuchs im gleichen Zeitraum um 18 Prozent. Insgesamt stiegen die Ausgaben für die Hilfe zur Erziehung seit 2010 berlinweit um 37 Prozent auf 560 Millionen Euro an.

Inzwischen konnte die Zahl der unbesetzten Stellen in den Jugendämtern bereits verringert werden, 120 Stellen sind noch offen. Der Senat setzt sich laut Eckpunkte-Papier in der Tarifgemeinschaft der Länder nun für eine Höhergruppierung der Mitarbeiter ein.

Um zu klären, wieso die Situation in den bezirklichen Jugendämtern so unterschiedlich ist, soll womöglich eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt werden. Ansonsten setzt Berlin auf beschleunigte Stellenbesetzungen, besonders finanzierte Ausbildungsangebote oder eine bessere Computer- oder Handy-Ausstattung.