Es könnten die kältesten der vergangenen Jahre werden: Für  die kommenden beiden Nächte hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) Temperaturen von bis zu minus 15 Grad in der Region Berlin-Brandenburg vorhergesagt. Solche Tiefstwerte wurden seit dem Rekordwinter 2012 nicht mehr erreicht – und das, obwohl eigentlich am Donnerstag der meteorologische Frühling beginnt.

Besonders zu schaffen macht die Kälte den 4000 bis 6000 Obdachlosen in der Stadt. Vor allem für alkoholkranke Menschen sind die Minusgrade ein lebensgefährliches Risiko, denn sie verlieren schneller Wärme und spüren die Kälte nicht.

„Sprechen Sie Menschen, die auf der Straße leben, an und bieten Sie Hilfe an“, appelliert Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). „Rufen Sie den Kältebus, der die frierenden Obdachlosen in die Notübernachtungen bringt.“

Die Hilfe-Shuttles sind von 21 bis 3 Uhr unterwegs und unter der Nummer 0178/5235838 zu erreichen. Alternativ kann man auch den Wärmebus vom DRK rufen. Er hat die Telefonnummer 0170/9100042.

Angesichts des Wintereinbruchs hat die Stadt die Kältehilfe aufgestockt. Weitere 100 Notschlafplätze wurden im Hangar 3 des ehemaligen Flughafens Tempelhof eingerichtet. Damit stehen insgesamt 1200 Plätze zur Verfügung. 

Die größte Schlafstätte der Stadt betreibt die Kältehilfe der Berliner Stadtmission in der Lehrter Straße 68. 121 Plätze finanziert der Senat hier offiziell, in vielen Nächten kommen jedoch mehr als 150 Übernachtungsgäste. 

Fünf Anlaufstellen für Notübernachtungen

Von 21 Uhr bis 8 Uhr sind die Räume geöffnet. Der Begrüßung am Eingang folgt eine Leibesvisitation. Zwei Wachschützer sind dabei. Alkohol, Drogen und Waffen sind verboten, ebenso Gewalt. In einem Lagerraum werden Handys, Geld und Gepäckstücke sicher verwahrt. Die Gäste müssen ihren Namen und die Geburtsdaten angeben.

In der Küche stehen abends Salat, Tee, Kekse sowie zwei Suppen bereit. Eine Friseurin schneidet auf Wunsch die Haare. Sozialberatung und medizinische Hilfe werden angeboten. Im Bettenhaus ist Platz für etwa 100 bis 120  Männer. Sie schlafen auf dicken Isomatten nebeneinander, bekommen  Bettwäsche, Handtücher, Zahnbürsten, Duschgel, Rasierzeug und Ohrstöpsel.

Mit ihren Hunden können Obdachlose in einem Extra-Raum übernachten. In einem anderen Gebäude ist zudem Platz für 20 obdachlose Frauen. Nachts werden die Unterkünfte betreut. Morgens wird ab 6 Uhr Kaffee ausgeschenkt, ab 7 Uhr gibt es Frühstück. Um 8 Uhr müssen alle Gäste die Unterkunft verlassen. 

Neben der Lehrter Straße gibt es noch vier weitere ebenfalls von 21 bis 8 Uhr geöffnete Anlaufstellen der Stadtmission: Die Notübernachtung in der Kopenhagener Straße 29 in Reinickendorf gewährt 42 Gästen einen Schlafplatz. Im Nachtcafé der City-Station in der Joachim-Friedrich-Straße 46 gibt es 25 Plätze.

Geschützter Bereich für Frauen

Die Wärmelufthalle am Friedrichshainer Containerbahnhof hinter dem Ring-Center an der Frankfurter Allee bietet 100 Schlafplätze, allerdings nur für Männer. Hier gibt es Feldbetten, Kleidung, Sanitäranlagen und eine warme Mahlzeit. 

Die ganzjährig geöffnete Notunterkunft in der Franklinstraße 27a bietet 73 Plätze in Drei- und Vierbettzimmern, dazu Duschen, eine Kleiderkammer, ein Abendbrot und ein Frühstück. Frauen steht hier ein geschützter Bereich zur Verfügung. Außerdem können sich Gäste von Sozialarbeitern beraten und an medizinische Hilfe vermitteln lassen. (BLZ)